Michael Jäger

schreibt selten über Gott, aber viel über die Welt. Was er denkt und was er fühlt. Was er mag und was eben nicht

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Mein Peiniger war verheiratet …

14.03.10 (Gedanken, Kinder, Kindesmissbrauch)

… und hatte nichts mit dem Zölibat der Kirche zu tun.

Wenn ich diesen Diskussionsverlauf verfolge, der da in den letzten Tagen durch die Medien geht, bekomme ich das Kotzen.

Als ich 2007 meinen damaligen Peiniger in meinem Buch “Es ist viel passiert!” mit Namen nannte, hat sich kaum ein Medium dafür interessiert. Im Gegenteil. Ein Redakteur der “BILD am Sonntag” rief mich ein paar Wochen nach Erscheinen des Buchs an und fragte, ob sich der ehemalige Erzieher aus dem Internat Schloss Eringerfeld schon gemeldet hatte bzw. schon eine Anzeige wegen Verleumdung gestellt hatte. Denn der Missbrauch sei ja verjährt und eine Klage wegen verleumdung sei dann ein interessantes Thema für sie. Die Tatsache, dass ich von diesem kranken Typen missbraucht wurde, war es offenbar nicht. Warum nicht, wurde mir auch erklärt. Da ich selbst über meine Vergangenheit berichtet hätte, sei das nicht interessant genug.

Damals war ich einfach nur schockiert über dies Unverfrorenheit, heute sind mir solche Methoden als logische Reaktion der Gesellschaft geläufig. Vertuschen, verschweigen, wenn es gar nicht mehr anders geht, Verfehlungen dunkel in Erinnerung habend zugeben und um Vergebung bitten. Der Mut von immer mehr Überlebenden wird unsere Gesellschaft aufrütteln und zeigen, wie systematisch vertuscht und gemauschelt wird, um Täter zu schützen und Opfer erneut zu brüskieren. War es früher Usus zu behaupten, die Opfer hätten schon einen Grund geliefert und wohl nichts dagegen gehabt, so sagt man heute, die Opfer sollten vergeben und den Tätern noch eine Chance geben, ihr Leben ungeschoren weiterzuleben. Dazu eine Diskussion, dass man das Zölibat abschaffen sollte, weil es solche “Übergriffe” geradezu fördere. Pfui Teufel! Wer hat uns eine Chance gegeben? Wer hat sich um unsere Unversehrtheit gekümmert.

Dieser Kerl, der mich als Schutzbefohlenen missbrauchte, war damals verheiratet und wenn meine Quellen stimmen – das habe ich letzte Woche erfahren – dann ist dieser Kerl immer noch in Nordrhein-Westfalen in der Kindererziehung tätig. In dem Internat, in dem er damals sein Unwesen trieb, sind komischerweise keine Unterlagen mehr vorhanden, liess man einen Bekannten, der sich für meine Interessen einsetzt, wissen.

Schon komisch, oder? Man weiss, dass er da war und dass er dort “erzogen” hat, aber man hat keinerlei Unterlagen mehr. Das ist doch genau das, was in den letzte Tagen und Wochen überall passiert. Naja, man habe da wohl mal einen Verdacht gehabt, aber das sei schon so lange her und deswegen seien diese Behauptungen irgendwie nicht mehr nachvollziehbar und man solle doch jetzt den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten. Wenn was war, dann tut es uns leid und dann ist auch gut.

Nein, das ist es nicht. Es ist eben nicht gut. Ich hatte irgendwie Glück und habe mein Martyrium irgendwie relativ unbeschadet überstanden, soweit ich das beurteilen kann. Aber ich weiss von anderen Überlebenden, die es eben nicht haben. Die in zwei Zeilen einer Mail mehr Schmerzen und Angst offenbaren als andere in 10 Sitzungen mit einem Psychologen aufzeigen. Die sich heute noch mit Zärtlichkeiten schwertun, weil sie irreparabel geschädigt wurden.

Schluss mit Verjährung dieser Taten, lückenlose Aufklärung der Missbrauchsfälle und Entfernung der Täter, selbst wenn ihre Taten verjährt sind. Überlebende haben oft erst nach Jahren den Mut und die Kraft, über die an ihnen verübten Verbrechen zu sprechen. Mein Peiniger heisst Heimann und ich habe keine Angst vor einer Verleumdungsklage und genauso wenig vor einer Klage der Bild am Sonntag oder sonst wem, der mich zwingen will, Aussagen zurückzunehmen.

Ich habe die Schnauze voll, jahrelang unter den Folgen des Missbrauchs gelitten zu haben und dadurch mich selbst andere belastet zu haben. Komm aus Deinem Loch raus, Heimann. Dein Verbrechen an mir mag verjährt sein, aber ich wette, es wird sich ein Opfer melden, bei dem die Verjährung noch nicht abgelaufen ist.

Und die Träger des damaligen Internats Schloss Eringerfed (die übrigens nach den Traditionen des christlichen Abendlands erzogen haben, wie sie stolz sagten damals) können sich darauf vorbereiten, dass ich gerade einen Anwalt prüfen lasse, ob und wie ich eine Klage anstrengen kann.

Die Zeit des Schweigens ist vorbei, wir Opfer stehen auf und stellen Euch! Und wir sind nicht wenige, das wisst Ihr genau!

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Die Insel der Unseligen …

11.03.10 (Gedanken, Kinder, Kindesmissbrauch, Technikzeugs)

… könnte man Gross-Britannien nennen.

Was sich die Briten leisten, übertrifft irgendwie alles, was man sich vorstellen kann.

Heise berichtet, dass die Regierung eine sogenannte Sperrlisten-Direktive erlassen hat, die Ministerien, Verwaltungen, Ämter und halbstaatliche Organisationen im Land anweist, ITK-Aufträge nur noch an Unternehmen zu vergeben, die Internet-Sperren auf Grundlage von Blacklists der Internet Watch Foundation umzusetzen.

Ich habe mir erlaubt diesen Satz fast wortgetreu so von der Seite von Heise zu übernehmen.

Die Internet Watch Foundation führt Listen, die unter anderem dokumentierten Missbrauch an Kindern vorhalten. Die Britische Regierung ist der Auffassung, dass diese Liste genutzt werden soll, Unternehmen auf Linie zu bringen, nämlich von den oft lukrativen Staatsaufträgen nichts mehr abzubekommen.

Erstens versteh ich nicht, warum die britische wie auch andere Regierungen lieber Listen anlegen, statt dafür zu sorgen, dass diese Listen überflüssig werden, indem man das Material löscht, die Urheber aufspürt und ihrer gerechten Strafe zuführt. Das es funktioniert, hat Alvar Freude vom Arbeitskreis Zensur bewiesen.

Zweitens ist es Zensur durch die Hintertür, indem de facto ein Zustand geschaffen wird, mit dem man später Gesetze formulieren kann, die nur einen Status Quo festzurren.

Indem die ersten Provider und Leitungs-Anbieter quasi gezwungen werden, Filter anzulegen und Stopp-Schilder einzubauen, kann man später mit der Argumentation, “es würden ja eh schon so viele machen, da kann man es auch gleich gesetzlich verankern” (Zitat einer unbekannten Anzahl von Dumpfbacken) wunderschön Druck auf alle möglichen Leitungs-Anbieter aufbauen.

Ich übersetze das in Gedanken an meine verstorbene Nachbarin Frau Huber immer gerne ins Analoge. Wenn es nach dem digitalen Engagement der Deppen in Britannien und anderswo geht, bestehen so manche Telefongespräche nur aus Piepstönen, so wird da geflucht und Morddrohungen gegen den Ex-Patrner, Ex-Chef oder Ex-Ex ausgesprochen. Die Post wird nach dem säuberlichen Verschliessen des Umschlags durch den Absender im Briefzentrum geöffnet, gegengelesen und die betreffenden Passagen und Bilder geschwärzt, ein Stoppschild-Flyer eingelegt und dann wieder säuberlich verschlossen und dem Empfänger übermittelt. Oder er bekommt gleich ne Postkarte mit der Mitteilung. Herr Müller aus Irgendwo wollte Ihnen illegale Inhalte übermitteln. Sie befinden sich als Empfänger automatisch auf einer Liste, die gegen sie verwendet werden kann. Der Herr Müller steht sowieso drauf, aber den bestrafen wir nicht, wir legen ja nur die Liste an.

Was die Dumpfbacken nicht daran hindert, ihre pädophilenfreundliche Politik fortzusetzen. Denn die Listen, das ist so sicher wieder Missbrauch in der Kirche, werden irgendwann das Licht der Öffentlichkeit erblicken und dann muss man nicht mehr seine Zeit mit Suchen vergeuden, sondern surft bequem über die angelegten Listen.

Die Insel der Unseligen, hüben wie drüben, fördert damit den Missbrauch Unschuldiger und presst gleichzeitig die Bevölkerung und Unternehmen in kleinen wohldosierten Schritten immer mehr in die Zwangsjacke des vorauseilenden Gehorsams. Denn auch Unternehmer wachsen nach und fragen irgendwann den Staat, ob sie das, was sie gerne aufbauen würden, überhaupt dürfen. Vorbei ist es mit der Freiheit, nur der Hofstaat darf schalten und walten, das Volk soll es finanzieren und aushalten. Das ist der Beginn einer neuen dunklen Phase der Menschheit. Das Mittelalter ist vorbei, es lebe die dunkle Neuzeit. Ihr Unseligen!

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Sehr geehrter Herr Bosbach

06.03.10 (Gedanken, Technikzeugs)

Sie schreiben zwar auf Abgeordnetenwatch, dass man Ihnen direkt schreiben kann auf Ihrer Seite http://www.wobo.de aber da lesen es ja wahrscheinlich nur Ihre Mitarbeiter. Deswegen wähl ich mal diesen Weg. Sie dürfen mir gerne auch hier antworten, ich schalte Ihre Antwort sofort frei, nachdem sicher ist, dass sie auch von Ihnen persönlich ist. Ich bin da nicht so, bei mir darf auch ein Bundestagsabgeordneter seine Meinung vertreten.

Warum ich Ihnen aber eigentlich schreibe:

Nach allen Informationen, die mir dank eines freien Internets zur Verfügung stehen, steht die Behauptung im Raum, sie hätten Herrn Padeluun am Rande Ihres gemeinsamen Auftritt bei Markus Lanz im ZDF mit den Worten bedacht:

“Sie sind eine Flachpfeife, Sie können mich mal kreuzweise.”

Bisher habe ich sie als einen sehr bedachten und stets korrekt auftretenden Politiker gesehen.  Ihre klare Formulierungskunst, Ihr sicheres Argumentieren gepaart mit den sehr akzentuierten Bewegungen Ihrer Hände machten auf mich immer den Eindruck eines in sich ruhenden und sehr souveränen Volksvertreters.

Lediglich ihr nervöses Augenflackern bei der Demonstration des Nacktscanners, ebenfalls bei Markus Lanz, als der Alpen-Gast demonstrierte, was man trotzdem alles durch diesen Nacktscanner durchbringen kann, hatte mich kurz an Ihrer starken und selbstsicheren Persönlichkeit zweifeln lassen. Aber wie gesagt, nur kurz.

Was hat sie getrieben, sich zu einer solchen Aussage gegenüber Herrn Padeluun hinreissen zu lassen? Sie, der selbstbewusste und politisch so klar aufgestellte Herr Bosbach. Damals, als Leiter eines Supermarktes wäre Ihnen doch so ein Satz auch niemals über die Lippen gekommen. Stets korrekt verlief Ihr Leben, alles haben sie mit eisernem Willen erreicht und jetzt plötzlich diese Entgleisung?

Ich weiss, Sie selbst haben es der Welt mitgeteilt, dass Sie Ihr Leben einem technischen Gerät, dem eisernen Herz,  verdanken. Ihr Herzschrittmacher gibt Ihnen Takt und Sicherheit, dass alles Blut dorthin transportiert wird, wo es gebraucht wird. Eine vorübergehende Fehlfunktion der Maschine kann es aber nicht gewesen sein. Die Dinger sind sicher, sagt man doch immer. Also kam es wohl aus Ihrem Innersten herausgebrochen.

Gibt Ihnen das nicht zu denken? Sie, der sie so sehr am Leben hängen, dass sie einer Maschine mehr vertrauen, da Ihrem eigenen Herz die Kraft fehlt, seine Aufgaben selbst zu erfüllen? Und trotzdem schafft es auch die Maschine nicht, dem kleinen Teufel, der in jedem von uns wohnt, den Takt vorzugeben. Er bricht sich Bahn, ob Technik oder nicht, er lässt sie einem Menschen beschimpfen, der es wagt, Ihre Technik-Gläubigkeit in Frage zu stellen.

Einen Menschen, der stellvertretend steht für so viele Menschen mit Herz und Liebe für eine freie und gerechte Welt. Menschen, die sich einsetzen für eine Verhältnismässigkeit der Mittel, um Sicherheit und persönliche Freiheit und Menschenwürde zu erhalten.

Jetzt stell ich mir vor, dass der Umstand, einen Herzschrittmacher benutzen zu müssen, Ihnen dieses Urvertrauen in die Technik gegeben hat. Sie wollen doch auch nicht, dass jemand diese Maschine abschaltet. Warum wollen Sie dann die Freiheit der Menschen so leichtfertig abschalten?

Wissen Sie was? Wenn sie Herrn Padeluun eine Flachpfeife nennen, dann können Sie das zu mir auch sagen. Und die Ergänzung mit dem “kreuzweise”, das kriegen wir hin. Alles Gute, Herr Bosbach.

Nachtrag: Ich hab mich nochmal ein wenig auf Ihrer Homepage umgeschaut. Dieses Geräusch, was man da hört, ist das ein Klicken meiner Webcam? Nein, sowas würden sie nie tun, oder doch?

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