Bricht Google Steine aus der Chinesischen Mauer mit der Ankündigung, die Zensur in China nicht länger hinzunehmen?
Oder ist das eine (verdammt geschickte) ausgeklügelte Werbe- und Image-Kampagne?
Fakt scheint zu sein: Nach den Hackerangriffen auf GMail-Konten von Menschenrechtsaktivisten überdenkt der Konzern seine Aktivitäten in China.
Da möchte man doch im ersten Moment klatschen und Bravo rufen. Endlich ist ein Global Player bereit, auf Einnahmen zu verzichten, um den Menschenrechten und der Informationsfreiheit den stützenden Arm zu reichen. Klingt doch gut, oder? Und die Medien reissen sich um die Story.
Als Menschen auf der ganzen Welt die Zensur Chinas vor und während der Olympischen Spiele anprangerten, rissen sich die kapitalistischen Konzerne darum, im kommunistischen China Präsenz zu zeigen. Und immer wieder reisen Heerscharen von Delegationen aus aller Herren Länder in die Volksrepublik, um sich von dem gigantischen Marktkuchen ein Stückchen zu sichern. Manchmal ein paar Brocken, manches Mal auch nur ein paar Rosinen.
Alle wollen nach China, da sind die Löhne billig, Arbeitszeiten egal und “Menschenmaterial” als Ersatz für computergesteuerte Produktionsstrassen im Überfluss vorhanden. Und der gigantische Markt erst. Milliarden von Chinesen, die alle den westlichen Lebensstandard wollen, sind bereit, Geld auszugeben, um ähnlich dekadent wie wir im Westen zu werden.
Und jetzt kommt Google und sagt: “Stop! Wir wollen aber nicht zensiert werden.”
Angetreten ist Google aber bereits mit einem zensierten Netz, wenn ich mich richtig erinnere. Nur so nebenbei.
Ich finde den Vorstoss des Managements in den USA richtig. Man muss kein überzeugter Kapitalist sein, um dem Kommunismus in China nichts abzugewinnen. Die Nachrichten, die immer wieder den Weg aus China herausfinden, reichen eigentlich, um zu erkennen, dass dieses System nicht menschenfreundlich ist. Auch wenn mancher Politiker wie der Herr Uhl von der CSU beim Thema Zensur durchaus bereit ist, von China zu lernen.
Trotzdem, Google muss was anderes vorhaben. Google, das den Begriff Datenkrake von Microsoft übernommen hat, ist so mächtig mittlerweile, dass es bestimmte Forderungen stellen kann. Ich hab mal vor längerer Zeit über Google geschrieben und weniger ist das seitdem nicht geworden.
“Google mir doch den Buckel runter” nannte ich damals den Post, und das ist es vielleicht, was Google handeln lässt.
“Wenn die Chinesen uns nicht machen lassen, dann gehen wir eben raus aus China. Die werden schon sehen, was sie davon haben. Willst Du mich nicht lassen, wie ich will, dann werd ich Dich von der Welt abschneiden, so einfach ist das. Wir sind mittlerweile so stark und so im täglichen Leben eines Grossteils der online aktiven Menschheit drin, dass wir diese Forderung stellen können und das tun wir hiermit!”
Google ist also bereit, ein Land, bzw. ein System, das nicht nach seiner Pfeife tanzt, internetsuch- und findungsmässig (ich weiss, eine grausame Wortwahl) zu isolieren? Ist Google die neue Welt-Ordnungs-Macht? Kann Google Systeme stürzen? Wie praktisch. Die USA macht das militärisch Mögliche und Google das technisch Mögliche. Wird die Welt dadurch besser oder friedlicher?
Oder ist Google gewillt, in anderen Ländern, in denen die Meinungs- und Informationsfreiheit nicht existiert oder in Gefahr ist, diese Forderungen ebenfalls zu stellen? Ist Google bereit, das Netz ungefiltert aufzubereiten? Im Iran z.B. oder auch hier in Deutschland, wo immer noch durch die Hintertür zensiert werden soll.
Ist Google nicht gerade durch seine erst kürzlich eingeführte personalierte Suche selber ein Zensor? Wenn ich eine Information suche, möchte ich zumindest die Möglichkeit des Fehl-Treffers nicht ausschliessen. Sicher, ich kann das ausschalten. Aber: Vielleicht erfahre ich ja mehr, wenn mir die personalisierte Suche nicht automatisch geliefert wird. Auch wieder nur nebenbei.
Die Chinesen, die heute Blumen auf das Google-Logo gelegt haben, waren nicht zufällig einheimische Mitarbeiter des Konzerns?
1. Mitmach-Krimi 2.0
Meine Vermutung ist, daß China nicht profitabel fuer Google ist und man sich jetzt unter dem Deckmäntelchen der Zensur für den Ausstieg auch noch als Held feiern läßt.
[...] This post was mentioned on Twitter by Michael Jäger, zulu34sx. zulu34sx said: "Man muss kein überzeugter Kapitalist sein, um dem Kommunismus in China nichts abzugewinnen." http://tinyurl.com/ybtw35l #China #Google [...]
[...] michaeljaeger.tv: Bröckelt die Chinesische Mauer? [...]