damals, als ihr Mann noch lebte.

“Herr Jäger, sind sie wieder da?”

Diese Stimme erfreut mich sehr. Hab ich die Frau Huber doch schon vermisst. Ich war im Urlaub und meine Vermieter sagten mir, dass kein Licht brennt bei der Frau Huber. Da hab ich mir natürlich gedacht, sie sei krank oder gar gestorben. Umso mehr freu ich mich, die alte Dame wieder zu sehen.

“Grüss Gott, Frau Huber, das ist aber schön, dass ich  sie treffe, ich dachte schon, es sei was passiert, weil die Vermieter sie auch nicht gesehn haben.”

Die Frau Huber hat diesen Blick, den ältere Damen gerne mal haben, wenn sie merken, dass sich doch jemand Sorgen um sie macht. Sie gibt mir einen leichten Schubs und lacht mich an.

“Na Herr Jäger, Unkraut vergeht ned, sag ich immer, wu ich herkumm, werden die Leut steinalt. Ich war ein paar Tage bei meinen Enkelkindern, wissens, wenn ich mit Ihnen schon ned reden kann, dann will ich wenigstens amal mit jungen Leut zu tun ham. Des tut mir gut. Nur mei Tochter, die hat mich aufgregt, Herr Jäger, des glaubens ned.”

“Wieso, Frau Huber, die macht doch nen ganz netten Eindruck, ihre Tochter.” Man soll ja nix schlechtes reden über die Leut, nicht wahr ;-)

“Ach, sie ham des doch bestimmt mitkriegt mit der Frau Schmidt, also der Gesundheitsministerin, die was immer so auf sozial und bescheiden macht. Und für die Patienten da iss, sagt sie.”

Die Frau Huber zieht mit dem Finger das Auge runter nach dem Motto: Nachtigall, ick hör Dir trapsen.

“Und die Schmidt hat doch ihren Fahrer mit dem Sohn und dem Dienstwagen nach Spanien gholt. Ich behaupt ja, die wollt dem Mann einen Urlaub gönnen. Nur das der so dumm war und sich den Wagen klauen lassen hat.”

“Moment, Frau Huber” werf ich ein, “die Frau Schmidt hat doch gesagt, dass sie dienstliche Termine in Spanien hatte.”

Mit einer Handbewegung, die eindeutig ist, wischt die Frau Huber dieses Argument weg.

“Gehns, Herr Jäger, glaubens des wirklich, des iss doch a Schmarrn. Die braucht doch kein Dienstwagen in Spanien, da gibts doch auch Autos zum Mieten. Und heutzutag hat doch ein jeder Mensch bald so ein Läbbdobb ( die Frau Huber sagt das genauso), des iss doch Büro genug. Für was braucht den die ein Auto, was noch dazu ned amal versichert ist im Ausland. Für den Eintrag ins goldene Buch braucht doch die kein Dienstwagen und den Termin mit dene Rentner, die was dort Urlaub machen, kanns doch auch mitm Taxi machen. Die muss doch ned mein Steuergeld verpulvern, um rumzuprotzen, wie toll sie ist…”

Die Frau Huber ist ganz schön in Fahrt. Der Fritzi sitzt natürlich gelangweilt wie immer neben ihr und fixiert eine Schnecke die über den Bürgersteig in seine Richtung schleicht.

“Wissens, Herr Jäger, mir also, meine Mann und ich , mir ham auch einen Dienstwagen ghabt damals. Der Herbert musste ja ab und zu was zum Wertstoffhof bringen oder ein Werkzeug besorgen. Und wie mir einmal unser Tochter mitgenommen ham zum Wertstoffhof, weil die um die Eck beim Klavierunterricht war, da hat des die Frau vom Direktor gesehn. Wahrscheinlich hätts sie gar nix gesehn, wenn unser Traudl net so anständig erzogen wirden wär und sie gegrüsst hat auf der anderen Seite von der Strasse. Und wie mein Mann und ich wieder heimkommen vom Wertstoffhof, ruft die Sekretärin vom Direktor meinem Mann, dass er sofort zum Chef kommen soll. Und der Herbert, der iss natürlich gleich hin, weil er dacht hat, es wär was passiert.”

Die Frau Huber steht mit den Fäusten in die Hüften gestemmt vor mir.

“Herr Jäger, des können Sie sich ned vorstellen. Was da los war. Der Direktor hat gschimpft und gebrüllt: Des sei ja wohl eine Unverschämtheit, des Auto vom Krankenhaus zu benutzen, um die Tochter zum Klavierunterricht zu fahren. Noch dazu während der Arbeitszeit! Und mit dem Benzin, das vom Krankenhaus bezahlt wird. Wenn das ein jeder machen würde, das wäre ja sie reinste Selbstbedienung. Ein Gebrülle, Herr Jäger, die Fenster warn offen, ich hab draussen im Hof gekehrt, ich hab gezittert vor Angst. Und der Herbert kam dann runter, hat mir den Besen aus der Hand genommen und hat den ganzen Hof gekehrt, ohne noch einmal aufzuschauen. So geschämt hat der sich!”

Die Frau Huber schaut mich an mit diesem Blick, der eine Aussage erwartet. Denke ich, denn als ich ansetzen will, poltert sie los.

“Und die Frau Schmidt, die lässt den Dienstwagen samt Fahrer und Sohn nach Spanien kommen, und dann lässt sie sich den Wagen auch noch klauen, während der Fahrer mit dem Sohn Urlaub macht, wer zahlt denn des eigentlich, auch die Frau Schmidt, wie sie behauptet? Herr Jäger, diese Frau schämt sich überhaupt ned, die hat keinerlei Gespür, die Frau. sowas hab ich noch ned erlebt. Also wenn mein Mann damals dem Direktor gsagt hätt, dass er des Benzin selber zahlt, der wär rausgflogn, aber hochkant. Und die Schmidt erzählt einmal so und ein andermal so. Ich habs heut gelesen in der BILD, die liegt im Cafe im Krankenhaus aus. Die ham gschriebn, ob die Frau Schmidt uns verarschen will, des ham die gschriebn Herr Jäger, und des frag ich mich auch. Will die uns verarschen?”

Die Frau Huber schlägt die Hand vor den Mund vor Schreck.

“Gott Herr Jäger, ich reg mich so auf, ich kriegs ja bald ans Herz, aber des iss ned schön von der Frau Schmidt. Ich sag Ihnen eins. Ich wähl die ganz bestimmt nicht! Und des hab ich meiner Tochter auch gsagt, aber die hat nur gmeint, des machen die da oben alle so, ab und zu kommt halt was raus, aber des wär normal. Und da hab ich mich so mit ihr gstritten, dass ich mein Koffer packt hab und wieder heimgfahrn bin. Mit so einer einstellung will ich nix zu tun ham, Herr Jäger. Mein Lebtag hab ich ordentlich und rechtschaffen gelebt, und des verlang ich auch von denen, die uns regieren. Die zahl ich ja auch dafür mit meinen Steuern. Aber wie wars denn im Urlaub, Herr Jäger, sie ham ja noch gar nix erzählt?!”

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4 Comments to “Die Frau Huber hatte auch nen Dienstwagen…”

  1. Willkommen zurück Herr Jäger und vor allem willkommen zurück Frau Huber. :)

    Ich hoffe die Wogen zwischen Frau Huber und ihrer Tochter werden sich wieder glätten!

  2. Alex sagt:

    Ich lese immer wieder gern von der Frau Huber.
    Und ein “Aufreger” war es ja mit der Schmid.
    Tja, Politiker kommen und Politiker gehen… manche bleiben leider etwas länger.

    Und das mit dem “wu” und wo die Frau Huber herkommt…
    vielleicht aus dem Erzgebirge.
    Eine Freundin redet auch manchmal ein bisschen so.

  3. Michael sagt:

    Ich komm irgendwie nie dazu, sie zu fragen, bin oft sprachlos, wenn ich sie treffe. Vermute mal irgendwu im Frankenland mit Tendenz zum Osten hin

  4. Michael sagt:

    Na, da sag ich danke, war schön im Urlaub. Und die Frau Huber ist ja ne liebe, die wird einfach nur manchmal fuchsteufelswild, hab ich das Gefühl

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