Michael Jäger

schreibt selten über Gott, aber viel über die Welt. Was er denkt und was er fühlt. Was er mag und was eben nicht

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Die Frau Huber und die Killerspiele…

22.06.09 (Gedanken, Kindesmissbrauch, Technikzeugs)

..sind auch so ne Sache, die ich noch erzählen muss.

Heute morgen hab ich wieder Rezeptionsdienst gemacht in der Praxis der Königin . Nach der Mittagspause mit Chefin hab ich mich auf den Heimweg gemacht und jetzt ratet, wen ich an der Ecke getroffen hab. Richtig, die Frau Huber mit ihrem Fritzi.

“Grüss Sie, Herr Jäger…” ruft Sie mir von der anderen Strassenseite schon zu “habens scho wieder Feierabend für heut?” Ich wechsle die Strassenseite und begrüsse die Frau Huber und ihren Fritzi. Der Fritzi reagiert eigentlich kaum, der schaut immer nur woanders hin, wenn man ihn anspricht. Ich glaub, der Fritzi geht nicht gern spazieren.

Ich nehm der Frau Huber ihre Einkaufstasche ab und bereite mich auf einen seeeeehr gemüüüüütlichen Heimweg vor. Die Frau Huber schnauft und greift mir an den Arm: “Sie Herr Jäger, ich habs grad dem Fleischer erzählt, was die vorham mit dem Internet! Der hat davon noch gar nix gwusst, der Mann, dabei ist der erst knapp über 60!” entrüstet sich die Frau Huber. “Der hat gsagt, die wern des scho wissen, was sie tun da in Berlin! Da hält er sich raus”

“Genau das ist das Problem, Frau Huber, genau das ist das Problem” sage ich zu ihr, feststellend, dass wir grade mal zwei Meter weit gekommen sind. Eigentlich hab ich gar keine Zeit, ich muss heim, hab ein paar Telefonate zu erledigen, Homework, Mails beantworten und den ganzen Kram. Ich zünd mir also erst mal ne Zigarette an und biete der Frau Huber natürlich auch eine an., wissend, dass sie ganz kokett eblehnen wird. Sie freut sich auch immer, wenn man ihr die Tasche trägt oder die Tür aufhält. Sie lacht: “Na Herr Jäger, des fang i mimmer an! Und sie ham noch nix erreicht, sagn Sie, wegen dene ihra Pläne?”

“Die wollen die Sperren jetzt ausdehnen auf die sogenannten Killerspiele, und andere Pläne habens auch noch!” sage ich zur Frau Huber. Die Frau Huber kuckt mich an, wie jemand einen eben ankuckt, der keine Ahnung hat, um welches Kunstwerk in der Ausstellung es grade geht und was uns der Künstler damit sagen will.

“Kennen Sie Killerspiele?” Die Frau Huber schüttelt nur den Kopf. “Na, was ist des?”

Wie erklär ich denn Killerspiele?

“Also, Killerspiele sind Spiele, wo man zum Beispiel durch die Strassen rennt oder durch ein Haus und alle, die einem in den Weg kommen, die erschiesst man, oder zumindest tut man so, als ob man einen erschiesst, und wer die meisten erschossen hat, der gewinnt das Spiel, und dann ists aus und man kann wieder von vorne anfangen. Das sind Killerspiele.”

Die Frau Huber hat manchmal so einen Blick, wo man sich unwillkürlich fragt, ob man die letzten Sätze nochmal wiederholen sollte. Aber ich kenne die Frau Huber. Wenn die so kuckt, dann überlegt die Frau Huber und das dauert eben manchmal.

“Meinen Sie Räuber und Gendarm? Und des wolln die jetzt verbieten? Wieso? Des ham mir als Kinder schon gspielt, Herr Jäger, wu (ich liebe dieses “wu”) ich herkomm, da ham mir des immer gspielt, den ganzen Tag, mir hatten kein Spielplatz, wu ich herkomm. Und des wollen die jetzt verbieten?”

Ich muss mich sehr zusammennehmen, um nicht laut loszulachen.

“Naja, so ähnlich Frau Huber, also die Killerspiele, die spielt man alleine am Computer oder mit mehreren am Computer…” versuche ich, der Frau Huber das Prinzip nahezubringen, “die Leute spielen nicht mehr auf der Strasse, sondern sie sitzen entweder alleine daheim oder treffen sich in einer großen Halle, stecken ihre Computer zusammen und spielen halt so gegeneinander.”

“Naja, da sinds wenigstens von der Strass und machen da keinen Unfug.” Die Frau Huber sollte ich mal mit den Politikern bekannt machen, die solche Ideen haben.

“Und des wollen die verbieten? Ja, du lieber Gott, was ist denn da dabei? Mir ham doch auch gspielt, anders halt, mir hatten ja keine Computer (die Frau Huber spricht das übrigens “Kommpuhter”) Des wollen die verbieten, Herr Jäger, des iss doch ein Schmarrn!”

Ich gebe der Frau Huber recht und sage: “Die wollen die Killerspiele verbieten, weil sie sagen, dass die Menschen deswegen verrohen und gefährlich werden und vielleicht dann irgendwann andere erschiessen, Frau Huber.”

“Ja so ein Schmarrn” poltert die Frau Huber, dass selbst der Fritzi mal kurz aufbellt, was wohl unterstützend gemeint ist vom Fritzi, “mir ham Räuber und Gendarm gspielt, mir ham Cowboy und Indianer gspielt, wir ham uns den ganzen Tag im Spiel totgschossn, und weiter? Sind mir deswegen schlechte Leut worn? Ich hab mein ganz Leben mich brav verhalten, ich bin nie bei Rot über die Ampel, nicht ein Kaugummi hab ich klaut, Herr Jäger, immer anständig war ich, immer anständig…Sollen doch die Leut spielen lassen, was sie wolln! Stellens sich amal vor, Herr Jäger, da müsst mer viel verbieten, da dürft mer ja gar nix mehr machen.”

Wenn sie so aufdampft, die Frau Huber, hat sie einen ganz flotten Schritt noch drauf, die Frau Huber, wir sind schon fast daheim.

“Sie Herr Jäger, des iss nur Spaß oder, jetzt hams mich reinglegt, gell, des wär doch a Schmarrn, oder Herr Jäger?”

“Nein Frau Huber, des ist denen ihr Ernst.” sage ich.

“Wer hat na des gemacht und gwollt, Herr Jäger, wer war jetzt des?”

“Die CDU/CSU und die SPD, Frau Huber.”

“Na, die wähl i nimmer, so ein Schmarrn, die wähl i nimmer Herr Jäger, des sag ich Ihnen.”

Die Frau Huber hat ein Gespür, sag ich Euch, das ist der Wahnsinn.

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