Die Frau Huber will dem Präsidenten schreiben…
11.07.09 (Gedanken, Technikzeugs)
… dass der das Zensur-Gesetz nicht unterschreiben soll.
UPDATE AM ENDE DES POSTS
Als ich heute mittag vom Einkaufen heimkomme, steht die Frau Huber mit dem Fritzi vor meinem Gartenzaun.
“Herr Jäger, Grüss Gott, ich wollt jetzt nochamal was fragn zu dene da oben in Berlin, ham Sie einen Moment Zeit?”
“Klar, Frau Huber, ich bring schnell die Tüten rein, oder wollen Sie reinkommen auf einen Kaffee?”
“Nein, Herr Jäger, ich will gar ned störn, nur kurz fragn, ich bin dann glei wieder weg!”
Also schnell die Tüten rein, der Königin Bescheid gesagt und wieder raus zur Frau Huber.
“So Frau Huber, was wollen Sie denn wissen, mal schauen, ob ich helfen kann:”
Die Frau Huber ist sichtlich nervös. “Herr Jäger, sie ham mir doch von den Zensurgesetzen erzählt, und dass die Opposition, also die FDP und die Grünene und die…, na wie heissen denn die, was früher die SED war, die, die…”
“Die Linke, Frau Huber, die Linke meinen Sie bestimmt!” versuche ich das Gespräch zu beschleunigen, ich muss ja auch noch was kochen heut.
“Genau, die LINKEN Herr Jäger. Sie ham doch zu mir gsagt, die hättn alle gegen des Gsetz gstimmt im Bundestag, Und jetzt les ich heut in der Zeitung, die ham im Bundesrat nix mehr dagegen gsagt und jetzt iss des Gesetz durch, herr Jäger, des stimmt doch so, oder?”
Die Frau Huber ist echt aufgeregt, und ich muss echt langsam aufpassen, dass ich sie nicht zu sehr aufrege, sie ist ja immerhin kein junger Hüpfer mehr. “Naja, Frau Huber, das kann ich so nicht genau sagen, der Bundespräsident, der muss das Gesetz ja noch unterschreiben, und vielleicht…”
Weiter komm ich nicht.
“Herr Jäger!”
Die Frau Huber ist hochmotiviert
“Wu ich herkomm, des war ja nur ein kleines Städtchen, fast ein Dorf, und mir ham ja immer den selben Bürgermeister ghabt, und ja, mir ham ja auch einen Stadtrat ghabt, und ich sag Ihnen, die in Berlin, die sind ja keinen Meter besser! Mein Mann, der Herbert, der war immer beim Stammtisch am Sonntag und da war auch immer der Dürrmann, einer von der Opposition im Stadtrat. Und der, der hat beim Stammtisch immer gewettert über den Bürgermeister und über die Politik vom Bürgermeister und überhaupt hat der immer alles besser gwusst. Und immer ganz beliebt hat er sich machen wollen. Des Ohr am Bürger, wissens, wie ich mein?”
Oh ja, ich weiß genau, was die Frau Huber meint. Aber ich komm zu keiner Antwort, die Frau Huber hat jetzt den Motor angeschmissen.
“Und dann hat er, also der Dürrmann, immer am Stammtisch ein zwei Runden ausgeben, der Herbert war immer ganz müd, Herr Jäger, wenn der vom Stammtisch heimkommen ist, ganz müd war der. Und dieser Dürrmann, der was immer gewettert hat, hat dann, wenns beim Stadtrat drüber abgstimmt ham über irgendwas, der hat immer dasselbe gstimmt wie der Bürgermeister, immer Herr Jäger! Und irgendwann ist er dann stellvertretender Bürgerneister wordn, weil er sich mit dem Bürgermeister immer so gut verstanden hat. Wissens was Herr Jäger? Genauso kommt mir des bei denen in Berlin auch vor, genauso Herr Jäger!”
Diese entwaffnende Einfachheit der Vergleiche der Frau Huber find ich immer wieder erstaunlich.
“Frau Huber, da könnten Sie Recht haben, aber es gibt ja immer noch die Möglichkeit, dass der Herr Bundespräsident das Gesetz nicht unterschreibt!”
Die Augen von der Frau Huber fangen an zu leuchten.
“Der Köhler muss des noch unterschreiben? Und wenn er des ned macht, Herr Jäger, was ist dann?
“Dann müssen die nochmal drüber reden und was ändern, Frau Huber.”
“Wissens was, Herr Jäger, ich schreib dem Herrn Köhler einen Brief, den hab ich immer gmocht, so ein netter Mann is des, dem schreib ich einen Brief und schreib ihm, wer ich bin und das er des ned machen soll, Herr Jäger. Wollen mer doch amal sehen, ob ich den Herrn Köhler ned umstimmen können tu, was Herr Jäger?”
“Frau Huber, sie wären nicht die einzige, ich hab auch schon an ihn geschrieben und viele andere auch, das könnte helfen.”
“Sehns Herr Jäger, des mach ich, des mach ich gleich, komm Fritzi, mir gehn einen Brief schreiben an den Herrn Bundespräsidenten, dass der des Gsetz stoppen soll.”
Dem Fritzi ist das glaub ich wurscht, aber ich bin ein bischen stolz auf mich, dass die Frau Huber anfängt, sich so für die Politik zu interessieren. Müsste man viel öfter machen, das mit dem Aufklären der Leute über die Politik.
UPDATE:
Die Frau Huber hat den Brief tatsächlich geschrieben und mir erlaubt, ihn zu fotografieren.

11.07.09 um 18:41
Also ich habe die frau huber ins herz geschlossen und obwohl sie kein junger Hüpfer mehr ist wäre ich froh wenn es ganz viele grau hubers geben würde
viele grüsse aus niederbayern
werner
11.07.09 um 20:11
Die Frau Huber ist einfach klasse! Und wir alle können aus ihrer “Wandlung” eine Menge lernen: Helft den Leuten, Politik zu verstehen, dann können sich “die da oben” vielleicht irgendwann nicht mehr alles erlauben.
Herzliche Grüße an Frau Huber und danke an Michael Jäger!
11.07.09 um 21:05
Auch wenns komisch klingt: Gib der Frau Huber mal einen dicken Schmatz auf die Wange von mir!
12.07.09 um 02:00
[...] Netzsperren, Zensursula und Politik allgemein WinFuture.de: Netzsperren-Petition: Heine zieht positive Bilanz ksta.de: Außer Kontrolle Tutsie.de: Internetsperren für Kinderpornos als erster Schritt zur vollständigen Zensur? HT4U: Werden die Netzsperren auch auf andere Gebiete ausgeweitet? heise online: Netzgemeinde wirft Ursula von der Leyen Ignoranz vor The Inquirer: Kinderporno-Diskussion und kein Ende: »Von der Leyen bewegt sich keinen Millimeter« heise online: Juristen melden schwere Bedenken gegen Web-Sperren an Nachtwächter-blah: Tja, Zensursula… Grunzgesetz: Technischer Ansatz bei Internetsperren fehlerhaft ZachSeinBlog: Internetsperren: Schäuble dreht auf Wutblog der C64 Generation: …und Danke für den Fisch botnetz.com: Trauer um das Freie Internet Deutschlands Mein Politik-Blog: Die Zensursula-Debatte hat sich erledigt Impactsuspect: Mehr Spass mit Google: hessische Pornogoogler The Internetausdrucker: Virtuell demonstrieren?! MelanieUnicorn: Einmal hatte ich fast schon geglaubt, dass Demokratie funktioniert. Kamikaze: Kann die von der Leyen nicht einfach mal das Maul halten? ODEM.blog: Kinderschutz als Geschäftsmodell Dennis Knake: Schlecht für den Blutdruck czyslansky: heute gibt’s geburtstag: 55 jahre zensursula jos cafe: Wahl ‘09 – Wir haben noch die Wahl Abwaschbar: Internetsperren umgehen und kriminelle Energie Eriks Blog: Wenn das Frau von der Leyen sieht … – Als Vater kann ich nur sagen: SEHR Lensenswert! Junge Union: Gegen eine Verbotsgesellschaft – multimediale Freiheit erhalten! Fuzzyauflauf: Die Sperren bleiben auf Kinderpornografie beschränkt! MichaelJaeger: Die Frau Huber will dem Präsidenten schreiben… [...]
12.07.09 um 23:53
Liebe Frau Huber!
Ich verstehe ja ihre Sorgen um die Freiheit der jungen Leute. Aber denken Sie doch mal an die armen Kinder!
Glücklicherweise sind die alten Zeiten, in denen Sie viel durchmachen mussten lange vorbei, und daher müssen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür sorgen, dass es unsere Kinder einmal besser haben als Sie.
Mit freundlichen Grüßen
Ihe Horst Köhler
13.07.09 um 00:35
Auch wenn Sie nicht der Bundespräsident sind, so möchte ich doch antworten. Ja, ich denke an die armen Kinder, denn ich bin selbst eins davon
13.07.09 um 09:02
[...] Die Frau Huber will dem Präsidenten schreiben… | Michael Jäger Frau Huber wäre dann mal für Freiheit. (tags: zensursula *****) [...]
13.07.09 um 11:04
links for 2009-07-13…
Google Moderator
Hm, hatte ich überhaupt mich mitgekriegt: ein Fragen- udn Priorisierungsdienst von Google.
(tags: googkle,moderator,gtd)
Does Anybody Still Use Second Life?…
13.07.09 um 22:15
[...] Die Frau Huber will dem Präsidenten schreiben… Frau Huber ist einfach goldig… [...]
13.07.09 um 23:24
sie schreibt ja auch auch “wu” oO
13.07.09 um 23:41
[...] MichaelJaeger: Die Frau Huber will dem Präsidenten schreiben… [...]
14.07.09 um 09:05
Stimmt, ist mir auch grade erst aufgefallen
15.07.09 um 02:03
Frau Huber made my day
21.09.09 um 02:54
Frau Huber FTW
Sry Michael, wenn ich dein Blog mit Kommentaren zuspamme, aber sie hat einfach recht und kann selbst denken.
Grüße aus – momentan – Mittelhessen,
S. Hild