… belächelten damals auch die Grünen.

Keine der alten Parteien hatte die Sorgen und Ängste eines Teils der Bürger ernstgenommen. Alternative Spinner waren sie, diese neuen sozialen Bewegungen. Belächelt, beschimpft, verunglimpft und scheinbar nicht ernstgenommen.

Scheinbar nicht ernstgenommen sage ich deswegen, weil sie sehr wohl ernstgenommen wurden. Man bekam Angst vor ihnen, denn sie drohten damit, einen Teil der Wählerschaft an sich zu binden, die von der alten Politik des Sendens und Empfangens genug hatten. Sie wollten mitreden, gesellschaftlichen Konsens darüber finden, wie mit unserer Umwelt umgegangen werden sollte. Sie klärten die Bevölkerung unermüdlich auf, was tatsächlich mit der Umwelt geschah, sie zeigten die Folgen der gnadenlosen Ausbeutung des Planeten, der Nichtschützung der Umwelt. Und die Bürger verstanden es, sie wussten es vorher nicht besser, denn sie wurden nicht aufgeklärt.

Die Grünen hatten nicht viel Themen, aber die, die sie hatten, beherrschten sie. Und zwar so gut, dass die anderen, die etablierten Parteien keine andere Chance hatten, als nach und nach die Forderungen der damals so belächelten, strickenden und sich auf Parteitagen gegenseitig verdiskuterenden alternativen Spinner als richtige und wichtige Programmpunkte in ihre Programme aufzunehmen. Denn sowohl die eigenen Parteifreunde der etablierten großen Drei als auch das Wahlvolk verstand nach und nach, wie wichtig und richtig die Forderungen der Grünen waren und sind.

Nichts anderes passiert momentan mit den Piraten.

Sie haben nicht viele Themen, aber die brauchen sie auch nicht. Sie sind angetreten, um Grundrechte einzufordern, die bedroht sind, mit der alten Politik zu verkümmern oder schlimmer noch, still und heimlich systematisch abgeschafft zu werden. Sie sind angetreten, verkrustete Strukturen aufzubrechen, Konsens zu finden zwischen einer sich verändernden Gesellschaft und alten überholten Vorstellungen, Gewohnheiten und Geschäftsmodellen.

Welche Partei sonst ist so offen, ihr Parteiprogramm als Wiki im Netz bereit zu stellen, auf dass ein jeder, der Zugang zum Internet hat, daran mitarbeiten kann?

Welche Partei ist so offen, von sich aus den ersten wichtigen Bundesparteitag der interessierten Öffentichkeit per Live-Stream ungefiltert zugänglich zu machen, wohl wissend, dass auch sämtliche Pannen und Fehler nach draussen dringen?

Welche Partei ist bereit, mit allen anderen zu reden und ihre Vorschläge zu diskutieren, die sich ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit einfinden wollen in eine Bewegung der Verteidigung der Freiheit und Demokratie?

Die Betonköpfe werfen den jungen, unerfahrenen Menschen Sturheit und mangelnde Diskussionsfähigkeit vor. Die junge Generation sei einem Konsens nicht zugänglich und beharre auf ihrer Position.

Herr Müntefering und seine Schreibmaschine sind für mich das typische Bild der Generation, die nicht bereit ist, einen Konsens zu finden. Der Online-Auftritt der SPD ist von jungen Menschen gemacht, eben genau von denen, die momentan in den alten Medien beschimpft werden als nicht konsensfähig. Deren junge Mitglieder sich gegen die Zensurgesetze auflehnen und die dafür von ihren eigenen alten Genossen als unterirdisch dumm bezeichnet werden.

Die Männer und Frauen mit den Schreibmaschinen haben auch die Grünen belächelt. Heute verkaufen sie deren Ideen als die eigenen. Die Männer und Frauen mit den Schreibmaschinen werden auch die Bewegung der Piraten nicht aufhalten.

Mein Name ist Michael Jäger und ich bin kein Pirat! Noch nicht!

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20 Comments to “Die Männer und Frauen mit den Schreibmaschinen…”

  1. Martina sagt:

    Michael, als ich im aktuellen Vorwärts Münte mit der Schreibmaschine unterm Baum stehen sah, schossen mir die gleichen Gedanken durch den Kopf.

    Im übrigen folge ich deinem Ruf:
    Mein Name ist Martina Kausch und ich bin KEIN Pirat! Noch nicht!

  2. Manni sagt:

    Und worauf wartet ihr? Ich habe gestern das Mitgliedsformular ausgefüllt.
    Ich BIN Pirat! (Naja, noch nicht offiziell bestätigt, aber so gut wie ;-) )

  3. Michael sagt:

    Ich warte ab, weil die Piraten Probleme mit meiner Mitgliedschaft haben könnten, siehe Wikipedia. Das ist der einzige Grund, der mich bisher gehindert hat, parteipolitisch aktiv zu werden

  4. Manni sagt:

    Ich hab das schon mitbekommen, kannte diese Doku bei der du interviewt wurdest sogar schon, habs damals im TV gesehn. Hast du eigentlich schonmal mit jemandem von der Partei drüber gesprochen? Ruf doch mal den Jörg Tauss an, er hat da schließlich auch ein ähnliches Problem, vielleicht kannst du dich ja mal mit ihm austauschen. Jedenfalls finde ich deine Vergangenheit ist für die Partei weniger kritisch als die Kipo Ermittlungen gegen Tauss.

  5. Michael sagt:

    Nein, ich habe mit niemandem der Piraten darüber gesprochen. Ich habe eine Rede gehalten auf der Demo “Löschen statt Sperren” , die von den Piraten mitorganisiert wurde. Aber ich bin kein Pirat.

    Und ich sehe einen definitven Unterschied zur Personalie Tauss. Mein politischgesellschaftlicher Fehltritt ist über 20 Jahre her und als beendet anerkannt und ich habe bewiesen, dass ich demokratisch bin und mich auch so verhalte. Ich werde mit den Piraten reden, wenn sie Interesse daran haben, mit mir zu reden. Ich weiss allerdings, wie eine bestimmte Presse reagieren wird und möchte der Bewegung der Piraten weitere Probleme ersparen. Ich schreibe auf meiner Seite und äussere mich öffentlich, wenn ich die Möglichkeit dazu habe. Mehr kann ich momentan nicht tun.

  6. Benni sagt:

    Andere Parteien haben durchaus auch schon Livestreams ihrer Parteitage ins Netz gestellt. Bei den meisten Parteien sind die Parteitage ja auch öffentlich.

  7. Michael sagt:

    Dann haben wir das auch geklärt :-)

  8. Ekkehard Bartz sagt:

    Hi Michael.
    Ich finde, das mit den Piraten dürfte wohl kein Problem sein. Schliesslich warst Du damals Opfer und nicht Täter! Das ist ein entscheidender Unterschied, den auch die schmierigste Presse beachten muss. Sprich doch einfach mal mit den Piraten. Es gibt da garantiert eine Lösung.

    MfG.

  9. Michael sagt:

    Du kennst meine Geschichte nicht, richtig? Bitte informiere Dich über meine Vergangenheit, ist im Netz und in meinem Buch beschrieben.

  10. Reizzentrum sagt:

    Ich war heute bei dem Piratenparteitag. Bin seit kurzem Mitglied und muss sagen, dass mich die offene Atmosphäre sehr angeregt hat. Sicher senden auch andere Parteien Stream ins Netz. Aber gestern und heute konnte sich jeder Interessierte vor Ort selbst ein Bild machen. Keine Gitter oder gar Security. WAS ist offen gelebte Demokratie. War mir sogar einen Blogeintrag wert. :)

  11. Michael sagt:

    Hab ich natürlich gelesen :-)

  12. Reizzentrum sagt:

    Michael, Du liest mich? Ich fühle mich geadelt!

  13. Michael sagt:

    Ich lese mehr, als man gemeinhin annimmt, ich denke mehr, als man gemeinhin annimmt, ich prahle nur nicht damit ;-)

  14. Olaf sagt:

    Euch ist schon bewußt, daß die PP aktive Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet? Nur mal als Hinweis für die Leute, die noch nicht Mitglied sind. Wenn schon Demokratie wollen, dann bitte auch richtig! Vielleicht sollte man bei dem vielen gebashe der “alten” Parteien mal nicht vergessen, daß auch dort genügend (junge) Leute sitzen, die die richtigen Ziele verfolgen. Die könnten Unterstützung gebrauchen. Das Problem ist ein Generationenproblem, kein Parteienproblem!

  15. Michael sagt:

    Mein lieber Olaf, so Du denn so heißt,

    bisher spricht man von einem aktiven, also mal den Ball flach halten. Dass selbst einer einer zu viel ist, ist auch klar. Die Piraten werden sich hoffentlich zu einer Lösung, die allen hilft, durchringen können.

    Dein Kommentar wird trotz eindeutiger Tendenz freigeschaltet. Und das nächste Mal geh doch bitte ins Forum der Piaten, um Deine Meinung dort kundzutun. Denn dies hier ist ein privater Blog, der sich mit Gott und der Welt beschäftigt.

  16. Olaf sagt:

    Ja, ich heisse wirklich so :-)

    Mir ist sehr daran gelegen, daß die PP bald eine größere Rolle in der Politik spielt. Deshalb bereitet es mir wohl auch Unbehagen, wenn so ein Problem (in meinen Augen) nicht schnell genug gelöst wird.
    Ich verfolge dein Blog mit wachsender Begeisterung und möchte dir (und auch den Kommentarschreibern) nicht unterstellen, auf einem Auge blind zu sein. Also bitte nicht falsch verstehen!

  17. Michael sagt:

    Nun denn, lieber Olaf,

    dann kann ich Dir nur eins sagen: Auch mir ist dran gelegen, dass die Piraten eine ähnliche Wirkung auf die “Alte Politik” haben wie sie die Grünen einst hatten und haben.

    Das ist auch der Grund, warum ich bisher nicht bei den Piraten eingetreten bin. Durch meinen Rechtsausrutscher vor grauer Vorzeit (behaupte mal, dass über 20 Jahre graue Vorzeit genannt werden können) würde ich der Partei wahrscheinlich auch keinen Gefallen tun, obwohl ich länger in meinem Leben bewiesen habe, dass ich ein freiheitsliebender Demokrat bin. Ich habe vor 2 Jahren in meinem Buch darüber berichtet, auch zu den Gründen und Ursache, wie es dazu kommen konnte. Die Bild, die eigentlich zugesagt hatte, das Buch vorzustellen, zog sich zurück, da ich ja selbst Fehler zugegeben hatte, bevor mir jemand draufkam, ich hätte Fehler gemacht. Bei einem Engagement für die Piraten wäre dies aber ein Thema für die Bild. Und das möchte ich den Piraten gerne ersparen.

  18. Manni sagt:

    soweit ich das jetzt mitbekommen habe, ist er nichtmal Holocaust Leugner, sondern vertritt hier lediglich eine ziemlich weitgefasste Ansicht von Meinungsfreiheit. Seine Meinung ist vielleicht etwas krass und sicherlich nicht unumstritten, einen Holocaust Leugner oder NPD Sympathisant würde ich ihn deswegen jetzt aber noch nicht nennen.

    Im Übrigen finde ich sollte man hier nicht den gleichen Fehler begehen, wie die Regierungsparteien, diese packen immer Ihre KiPo-Keule aus als Totschlagsargument, was eine objektive Diskussion verhindert, und die NS-Zeit scheint wohl auch so ein Totschlagsargumen zu sein.

    Im Übrigen, nach dem Kommentar von Olaf, von dem ich vermute, dass er SPDler oder so ist, pflichte ich dir auch bei, mit deiner Entscheidung nicht der Piratenpartei oder einer anderen Partei beizutreten, wärst du ein einfaches Mitglied, würde deine Vergangenheit kaum jemanden interessieren, aber sobald du in der Öffentlichkeit als Pirat stehst, wird man genau wie es hier Olaf gerade bewiesen hat, dies gegen dich und die Piratenpartei verwenden, und zwar durch weglassen und verdrehen von Tatsachen, so dass dadurch ein falscher Eindruck entsteht. Das dies dann von der Presse unreflektiert wiedergegeben wird und auch von den anderen Parteien ausgeschlachtet wird, ist mir inzwischen klar.

    Aber wie jemand von den Piraten (weiß nimmer wer des war) gesagt hat, Pirat ist man im Herzen.

  19. Michael sagt:

    Was er letztendlich ist oder nicht, spielt leider nur eine untergeordnete Rolle, solange er oder seine Aussagen Munition liefern, die Piraten anzugreifen. Objektive Diskussionen wirst Du in dieser Republik vergebens suchen, wenn es darum geht, den Machtapparat politisch anzugreifen. Die eventuellen Fehler oder Vertuschungen, die in jedem System leider im Filz der Abhängigkeiten entstanden sind, wollen nicht aufgedeckt werden. zumindest nicht von denen, die den Machtapprat in Händen halten.

    Ich wiederhole aber noch einmal und dies zum letzten Mal: Extremes Gedankengut, ob von rechts oder links, hat auch bei den Piraten nichts zu suchen.

    Einfaches Mitglied bei den Piraten zu sein, würde mir persönlich nichts bringen. Wenn, dann will ich etwas bewegen und unterstützen, mit vollem Einsatz. Ich mache es entweder gescheit oder ich lasse es bleiben. Ich habe bereits schon früher gesagt, dass die Zeit reif ist, über Parteischranken hinweg zu handeln. Von daher kann ich mich mit jedem unterhalten und auch mit ihm zusammenarbeiten, der die Grundrechte und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland achtet und beschützen will. Extremisten sind dann Diskussionspartner, wenn sie bereit sind noch ein “Ex” vorne anzustellen und den Unsinn, den sie vertreten haben, eingesehn haben und sich fortan demokratisch verhalten und auch so handeln.

  20. Mir stellt sich allerdings die Frage warum die Piraten beziehungsweise die nun “erwachte Internetgemeinde” sich dem bestehenden System anpassen sollte.
    Natürlich ist der Weg härter wenn man zu seiner Einstellung steht, selbst wenn diese vierbuchstabigen Blättchen eine Angriffsfläche bieten. (So zB. ein Beharren auf der Unschuldsvermutung im Falle Tauss. Im Falle von Bodo Thiesen habe ich mir noch kein hinreichendes Bild gemacht. Meiner vorläufigen(!) Meinung nach scheint es aber mehr Negativ-Hype zu sein als die Sache wert ist.)
    Leider ist die meinungsbildende Macht dieser Blätter noch zu stark. Doch denke ich, dass es sich langfristig auszahlen wird ehrlich, transparent und integer zu sein. Das ist sicher nicht zum schnellen Stimmenfang geeignet, aber auf lange Sicht könnte man sich so das Vertrauen der Wähler verdienen (statt es sich kurzfristig zu erschleichen).
    Vielleicht bin ich aber auch einfach zu naiv, wenn ich darauf hoffe dass es nicht nur einen neuen Spieler im alten System gibt, sondern dass man an dem eingefahrenen System selbst etwas ändern kann.(Oder ich habe früher zu viele der 80er Jahre Collegefilme gesehen in denen die Underdog-Nerd-Studentenverbindungen am Ende den Sportlern die Mädchen ausspannen. ;D )

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