…kann niemand verwehren?

Gestern bekamen vier Soldaten der Bundeswehr von der Bundeskanzlerin und dem Verteidigungsminister Jung das Ehrenkreuz der Bundeswehr für besondere Tapferkeit verliehen.

Die Einen jubeln:

Ja, der Einsatz unserer Soldaten in bewaffneten Konflikten muss mehr gewürdigt werden und ihre Verdienste auch honoriert werden!

Die Anderen jammern:

Nein, ein deutscher Soldat darf keine Tapferkeitsmedaille erhalten! Wir haben nichts gelernt aus zwei von uns begonnenen Weltkriegen!

Was machen wir denn jetzt?

Einerseits befinden wir uns de facto im Krieg. Deutsche Truppen kämpfen zusammen mit Nato-Truppen in einer Region der Erde, die zu Recht als Unruhe-Region bezeichnet wird. Wer die Unruhe dort ausgelöst hat, ist aber auch nicht so ganz klar. Aber sie kämpfen, die deutschen Truppen. Ob sie das wollen oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Sie wurden von einer deutschen Regierung dorthin geschickt, um Friedenssicherung zu betreiben und den Aufbau demokratischer Strukturen in der Region zu fördern.

Andererseits sagen wir nicht klar und deutlich, dass wir uns im Kriegseinsatz befinden.

Die Soldaten vor Ort, getrennt von ihren Familien, kämpfen einen aussichtslosen Kampf. Greifen sie nicht ein, werden sie beschimpft von denen, die sie beschützen sollen. Greifen sie ein, werden sie beschimpft von denen zuhause, die vom sicheren Schreibtisch aus leicht schimpfen können, halten die ihren Arsch doch nicht hin für den demokratischen Aufbau der Region.

Was machen wir denn jetzt? Schon wieder diese Frage! Ich weiß es nicht!

Meine persönliche Meinung: Es ist ein Kreuz mit dem Ehrenkreuz.

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18 Comments to “Ein Kreuz in Ehren…”

  1. caipiranha81 sagt:

    Gut geschriebener Test! Leider fehlt mir die Position. Das Herumwürgen und für jede Seite Verständnis zeigen, passt mir eigentlich nie so recht. Es reicht langsam, immer den Kompromiss zu suchen. Stellung beziehen! Sich entscheiden! Das ist es, was heutzutage durch all zu harsch beschworene Auslegung des Wortes “Toleranz” kaum mehr möglich ist.

  2. Michael sagt:

    Ich bin immer und gerne bereit, Position zu beziehen, aber ich finde eben im Moment noch keine. Ich bin in der Meinungsfindung. Und das wollte ich mitteilen.

  3. Volkmar sagt:

    Man sollte dazu noch erwähnen, dass ein Soldat dieses gestern erhaltene Tapferkeitsmedaillenkreuz heut mal gleich bei Ebay versteigert.
    Kann man es da noch Ehrenkreuz nennen? In seiner Artikelbeschreibung erklärt der betreffende auch, das er dieses Kreuz von der Bundespräsidentin Merkel erhalten hat…
    Armes Deutschland, oder?

  4. Michael sagt:

    Das ist noch nicht sicher. Laut Bundeswehr wird der Fall gerade geprüft:

  5. John Patrick Garth sagt:

    Ich meine, wer für sein Land kämpft, sollte auch ausgezeichnet werden dürfen. Ich denke, wenn man vorm Rechner oder am Schreibtisch sitzt, kann man gar nicht nachvollziehen wie es den Jungs da unten geht und in was für einer Scheiße die sitzen.

    Also jeder der was an so einer Auszeichnung was zu mekern hat, sollte erst mal selber seinen Arsch hinhalten und dann den Mund aufmachen.

    Die Argumentation mit den beiden Weltkriegen lasse ich auch nicht gelten, erstens waren die Jungs, die da unten im Einsatz sind da noch nicht mal geboren und zweitens waren wir in beiden Weltkriegen ja eindeutig der Agressor, was man jetzt wohl auf keinen Fall behaupten kann.
    Allenfalls läßt sich der Einsatz als solcher diskutieren, aber da wir entschieden haben sie in den Krieg bzw. auf eine Friedensmission zu schicken (reine Auslegungssache), sollte eine Auszeichnung nicht in Frage gestellt werden.

  6. Tom sagt:

    Ist doch ganz einfach. Zum Brunnen bohren und Brücken bauen muss man nicht besonders mutig sein. Wenn jetzt Soldaten für ihre Tapferkeit ausgezeichnet werden, zeigt das eindeutig, dass es sich um einem Kriegseinsatz handelt.

  7. Michael sagt:

    Die Frag stellt sich weiterhin: Als was sehen wir die Bundeswehr?

  8. Michael sagt:

    Es ist ein Kriegseinsatz, das ist richtig. Er war aber nicht als Kriegseinsatz geplant, soweit ich das richtig verstanden habe. Und die spezielle Auszeichnung galt vier Männern, die ihren Arsch in Gefahr brachten, um anderen zu helfen, Kameraden und Zivilisten. Wir brauchen eine Definition der Aufgaben der Bundeswehr.

  9. Stefan sagt:

    Tja, Schei*e, als ich jung war, war die Bundeswehr eine reine “Hilfsarmee”, quasi eine Rot-Kreuz_Truppe mit Waffe über den Schultern.
    Ich fand das vollkommen OK.
    Schei*e aber auch, dass ich mir durch den ganzen Globalisierungskram heute anhören muss, meine Freiheit würde am Hindukusch verteidigt.
    Schei*e aber auch, dass die “Jungs” die jetzt dort “unten” sind, ganz genau wissen, was dort auf sie zukommen kann.
    Schei*e aber auch, dass jeder, der in “Unruheherden” für die Bundeswehr unterwegs ist ein Vielfaches an Sold bezieht (und das auch gerne mitnimmt, auch wenn nicht geschossen wird).
    Schei*e aber auch, dass man die Menschen dort nicht einfach ihr mittelalterliches Leben leben lassen kann. Die wollen unsere Kühlschränke, CD-Player und den Rest, den wir “Zivilisation” nennen nicht.
    Schei*e aber auch, dass gute, junge Männer dort, ja, verheizt werden. Nicht von mir und nicht von Dir aber angeblich für mich und Dich.
    Und wenn das Ding wirklich bei ebay versteigert wird, dann sollten wir dem Versteigerer einen anderen Orden verleihen. Er hat erkannt, dass er nicht für die Seinen den Arsch riskiert hat, sondern für Politiker und Wirtschaftskonzerne und DEREN Interessen.

  10. John Patrick Garth sagt:

    Und leider nennen es unsere Politiker auch nicht Kriegseinsatz. Das hört die Bevölkerung in ihren Augen nicht gern. Dabei wäre unseren Soldaten echt geholfen, wenn das Kind beim Namen genannt würde. Das mindeste was die Soldaten erwarten dürfen, ist adäquate Ausrüstung. Sie sollen sich ja auch verteidigen können. Bitte liebe Politiker, riskiert aus wahlkampftaktischen Gründen nicht den Arsch unserer Jungs. Und für alle, die es noch nicht verstanden haben, da unten herrscht Krieg, egal als was es gestartet war. Die Soldaten die gestorben sind haben sich nicht an Wattebällchen, die auf sie geschmissen wurden verschluckt.

    Auszeichnungen ja oder nein. Darüber mag man streiten, aber ich finde aus Achtung und Respekt vor den toten Soldaten, sollten die Damen und Herren Politiker endlich begreifen, dass man das Wort Krieg wieder in den Mund nehmen muss. So schwer es ihnen auch fallen mag.

  11. Michael sagt:

    Hat sich mittlerweise rausgestellt, dass die Auktion eine Protest-Aktion der TITANIC war.

    Und dass Soldaten mehr Geld bekommen, wenn sie in Krisengebiete gehen, ist ebenfalls normal heutzutage.

  12. Stefan sagt:

    Dass Menschen, die in risikoreichen Berufen arbeiten auch angemessen bezahlt werden sollen steht ausser Frage.

    Dass man (die Bundesregierung) sich scheut das Kind beim Namen (KRIEG) zu nennen finde ich schwer daneben.

    Meine Schlußfolgerung wäre: Wenn man KRIEG dazu sagt, befindet sich die BRD in einem.

    Und da sollte die Frage erlaubt sein: Für was?

    Dass ausgerechnet eine rot-grüne Regierung damit angefangen hat deutsche Soldaten wieder in Kampfeinsätze zu schicken ist doch die Farce schlechthin.

    Wer hat da ein Interesse? Die meisten deutschen Bürger finden das nicht gut.

    Ich auch nicht.(vor allem, da ich 30 Jahre erleben konnte, dass es nicht nötig ist)

  13. Michael sagt:

    Ich halte es nicht nur immer noch für unnötig, sondern auch für höchst gefährlich für unsere persönliche Sicherheit in Deutschland.

    Solnage die UNO ein so unfähiger Koloss ist, werden wir weitere Probleme bekommen

  14. Mel sagt:

    Hätte es denn nicht gereicht, den Jungs ein Bundesverdienstkreuz ans Revers zu nageln?

    Mich bedrückt, in welche Richtung sich D-Land zur Zeit entwickelt.

  15. Michael sagt:

    Ich weiss nicht, ob es gereicht hätte.

    Aber die Entwicklungen in Deutschland zeigen mir persönlich, dass wir uns zu lange auf die Demokratie in diesem Land verlassen haben. Dass wir zu lange darauf vertraut haben und man uns zulange dieses Vertrauen auch eingeredet hat. Es wird wieder Zeit, die gelebte Demokratie kritsisch zu hinterfragen und ein paar Korrekturen an der schleichenden Politik des Staatsapparats vorzunehmen. Damit unsere Kinder und Enkel auch in Freiheit aufwachsen können, so wie wir das taten.

  16. LeaMaria sagt:

    Ich befürchte, die erschreckend geringe Zahl der Wähler überhaupt macht folgendes deutlich: An Demokratie im Sinne von Volksmitbestimmung wird (fast)nicht mehr geglaubt, immer weniger wählen und die noch wählen gehen, wählen als Minderheit Volksvertreter, welche eigentlich mehrheitliche Interessen eines ganzen Volkes vertreten sollten. Da diese aber von Minderheiten gewählt wurden, vertreten sie letztendlich auch nur die Interessen ihrer eigenen Wahllobby.

    Wir können und sollten übrigens nicht abwarten, bis Krieg als solcher auch benannt wird – nur selten sprechen die Mächtigen davon, dass sie kriegerisch tätig sind bzw es sein werden oder wollen.

    Demokratie hätte in meinen Augen die Aufgabe, dass das Volk den mit Entscheidungsmacht Beauftragten auf die Finger schaut und das z.B. mit dem Grundrecht der freien Meinungsäußerung auch in allen Belangen ständig für alle hörbar artikuliert. Denn ehe die Mächtigen von sich aus auf wohlüberlegte Strategien in ihrer Wortwahl und Schönrederei verzichten und unverblümt das Wort Krieg in den Mund nehmen, ist er vermutlich schon in vollem Gange.

  17. torstenp sagt:

    Egal wie es die Politik nennt – sie hat die Soldaten dort hingeschickt und Ihnen einen Auftrag gegeben. Den Soldaten dort kann man keinen Vorworf machen, dass sie dort sind – das ist ihr Beruf.
    Wenn diese dort nun in Extremsituationen das Leben ihrere Kameraden über ihr eigenes stellen, bzw ihr eigenes Riskieren um das ihrer Kameraden zu retten – dann ist das für sich gesehen eine Tat, die einer Würdigung wert ist. Dafür ist das Ehrenkreuz (dank AH durfte es ja nicht mehr Eisernes Kreuz heissen, auch wenn selbiges ausser in .de keinen schlechten Ruf hat) eine durchaus angemessene Ehrung.
    Der in den Kommentaren angebrachte Vergleich mit dem Bundesverdienstkreuz hinkt IMHO, da zivile und militärische Auszeichnungen nicht vermischt werden sollten.

  18. LeaMaria sagt:

    Vielleicht sollte es so sein. Heute im Zug traf ich einen Vater mit seinem Sohn aus Afghanistan. Er sagte das gleiche, was auch die Frauen an dem iranischen Stand gleich neben dem Hauptbahnhof forderten: Wir möchten, dass sich andere Länder nicht einmischen. Wir möchten selbst gegen die Mächtigen unseres Landes kämpfen.
    Die Einmischung der USA z.B. im Irak hat dem irakischen Volk nicht geholfen. Ich finde, es lohnt sich, darüber ernsthaft nachzudenken !

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