… technischen Lösungen anwenden.
Diesen Satz hab ich heute morgen auf einer Mailingliste gelesen. Und er stimmt. Er trifft so genau wie die Faust aufs Auge, die so manchem gehört, der technische Lösungen für soziale Probleme fordert.
Wenn wir heute lesen und hören, dass Politiker, oder diejenigen, die sich dafür halten, Sendezeitbegrenzungen fürs Internet fordern, dann frage ich ich immer, was bei denen schiefgelaufen sein muss, dass sie glauben, das könnte die Lösung aller Probleme sein.
Ein Beispiel gefäälig?
Apple hat angeblich grade 5000 Apps aus dem App-Store geworfen, weil sie sexuelle Inhalte anboten oder zugänglich machten. Werfen wir doch mal einen Blick in den App-Store. Moment, iTunes laden, dauert ein wenig, ich hab nur 2 GB RAM im Rechner.
Ahja, hier mal ein Screenshot der kostenlosen Top-Apps von heute, Samstag, dem 27.02.2010 um 9.33 Uhr:

Was sehen wir?
Auf Platz 2 eine App mit dem Namen iLust Free. Geht irgendwie drum, einer offensichtlich recht sexy Lady beizubringen, dass man mit ihr mehr haben will als ihr grobschlächtiger Freund sowieso mit ihr anstellt.
Auf Platz 4 eine App mit dem Namen Sex Positions Game – 18+ Free. Kann ich mir auch drunter vorstellen, um was es geht, selbst wenn ich mir die Programmbeschreibung nicht anschaue.
Auf Platz 13 eine App mit dem Namen Sex iQ. Gehen wir davon aus, dass es irgendwas mit Sex und Intelligenz zu tun hat.
Tut aber eigentlich nichts zur Sache. Die gross ausgeschlachtete PR-Massnahme von Apple hat Ihre Wirkung schon gezeigt. Aus allen Ecken kamen Bravo-Rufe und Zustimmung. Endlich ist ein Unternehmen bereit, anstössige Inhalte aus dem Netz zu nehmen, sagten die einen. Das ist Zensur, sagten die anderen, meistens die, die die Apps eingestellt hatten, um damit Geld zu verdienen.
Fakt ist aber: Um im App-Store einkaufen zu können, braucht man einen Account, der wiederum mit einer Kreditkarte verknüpft ist. Kredit-Karten haben die Eltern, der Account läuft auch auf sie. Nutzen tut den Account aber derjenige, der sich damit auskennt. Der Nachwuchs, der mit Papas Kreditkarte einkauft und mit einem Klick bestätigt, dass er berechtigt ist, das Material zu laden.
Papa hat damals ein ernstes Gespräch geführt mit dem Filius. Es ging in diesem Gespräch darum, die Kreditkarte nicht über Gebühr zu belasten. 5 Songs pro Woche, und ab und zu gibts auch mal ne Wertkarte. Papa weiss nämlich gar nicht, dass es bei iTunes auch andere Sachen als Musik gibt. Und bei iLust denkt der eher an der Eierlaster. Und bei Sex iQ liest der Papa eher Sechs Ei Kuh und denkt an das Farmville-Spiel, dass der Sohnemann bei Facebook ständig spielt.
Eigentlich hat Papa aber keine Ahnung, was Sohnemann da treibt. Dieses Facebook ist irgendwas mit Freunden, die man nicht mehr so oft sehen kann, weil sie die Schule gewechselt haben und im App-Store gibts Musik, deswegen hat er ja extra damals aufgepasst beim Einrichten vom Account. Der Filius hat ihm gezeigt, wieviel verschiedene Alben es da gibt. Und ab und zu sagt er dem Filius, er soll dem Papa auch mal was runterladen und auf CD brennen, damit er im Auto seine alten Schlager hören kann.
Eigentlich hat Papa nämlich keine Ahnung vom Netz.
“Die werden das schon richtig machen, die Politiker mit den Gesetzen. Ich kann mich ja nicht um alles kümmern. Ich muss arbeiten, die Familie versorgen und das bisschen Freizeit kann ich auch anders verbringen als mich mit Medien-Kompetenz zu beschäftigen. Ausserdem bin ich ja medienkompetent. Ich lese jeden Morgen die BILD und die Schlagzeilen am Kiosk. Die sind von kompetenten Medien gemacht, die Schlagzeilen kann ich so übernehmen. Morgens auf Schicht, oder beim Mittagessen in der Kantine. Killerspiele? Pornos? Quatsch mit Soße, mein Sohn weiss, was er darf und was nicht. Ich hab das ganz klar mit ihm geregelt. 5 Lieder in der Woche und ab und zu mal ne Wertkarte. Die sollen ruhig das Zeug sperren. Ich kann mich ja nicht um alles kümmern.”
Dem gehört auch die Faust auf Auge. Ist auch ne technische Lösung für ein soziales Problem. Aber genauso sinnlos.
Tags: App-Store, Facebook, Faust aufs Auge, Medien-Kompetenz, soziale Probleme, technische Lösung
1. Mitmach-Krimi 2.0
Tja wo du Recht hast hast du Recht.Aber soziale Kompetnz kann antrainiert werden,wer sagt es ist alles in der DNA ist zu wissenschafthörig.Es gibt im Leben viele Lösungen aber nun einmal wirklich nicht für alle Probleme?Oder hast du ein Patentrezept gegen Gevatter Tod?????? (-:
Falls ja bitte bitte gleich antworten….
Nichts anderes sage ich. Soziale Kompetenz muss auch den Eltern und Lehrer antrainiert werden. Wir haben momentan so ein Loch in den Generationen. Die einen wollen nicht mehr einsteigen, die anderen können scheinbar nicht mehr einsteigen. Dann soll es halt der Staat machen. FALSCH!!!
Und ein Patentrezept gegen Gevatter Tod habe ich nicht, brauch ich nicht, hab nen Deal mit ihm
Wenn er kommt, kuck ich, ob ich Zeit hab.
solange eltern es als anstrengend empfinden sich zeit für ihre kinder zu nehmen, wird es wahrscheinlich nicht besser werden. zuerst fängt das wohl in der familie an, dann in schule oder kita ..und so weiter…
aber wie gesagt , es liegt auch an jeder mutter und jedem vater selbst…
ich hab oft das gefühl, dass soziales an sich nicht viel wert ist, da man damit ja nichts verdienen kann bzw man keinen materiellen nutzen hat
lg