… sind das Thema des ersten Gastbeitrags auf meinem Blog.
@drsarkozy, die ich am vergangenen Wocheende im “echten Leben” kennenlernen durfte, erzählte mir diese Geschichte. Ich lass sie Euch zur freien Kommentierung und ohne einen Kommentar meinerseits einfach mal durchlesen. Passiert ist das mitten in Deutschland an einer Grundschule. Mehr braucht es an Grundinformation nicht.
@drsarkozy erzählt:
Non scolae sed vitam discimus.
(Eine Parabel über den Umgang mit neuen Medien an einer öffentlichen deutschen Grundschule)
Es ist unbestritten, dass es sinnvoll ist, schon Grundschulkindern den Umgang mit PC und neuen Medien nahezubringen, möglichst in der technischen Ausstattung, die die Kinder größtenteils auch zu Hause vorfinden. Aus diesem Grund gehen immer mehr öffentliche Grundschulen dazu über, ihre Schüler im Internet zu gewissen unterrichtsnahen Themen recherchieren zu lassen.
Man nennt das im reformpädagogischen Schulslang auch “Forschen”.
So weit, so gut.
Was aber passieren kann, wenn ein neunjähriger Junge nach Recherche seiner Sachkundethemen gemeinsam mit einem Klassenkameraden am PC allein gelassen wird, zeigt folgendes Beispiel:
Paul ( der guten Ordnung halber wollen wir ihm einen Namen geben ) sass mit Sven (sic!) an einem Schul-PC in einem separaten Raum, ihre Recherchen waren abgeschlossen und sie langweilten sich. Und da es völlig normal ist, wenn sich zwei Jungs in diesem Alter langweilen, fingen sie an Unsinn zu machen. Der größte Unsinn dieses Tages war die Eingabe der Worte: “nackte Frauen” in die Google-Bildersuchmaschine, kindliche Neugierde allenthalben.
Man sollte annehmen, dass hier nichts passierte. Zur Erinnerung, die Jungs sassen an einem Grundschulrechner. Aber leider weit gefehlt. Was die Jungs auf dem Bildschirm zu sehen bekamen, nötigte einen zwischenzeitlich dazugekommenen Mitschüler dazu, sie zu verpfeifen.
So weit, so schlecht.
Was aber im Folgenden geschah, nötigte die Mutter von Paul, ihre Kinder von der betreffenden Grundschule abzumelden.
In einem Gespräch zwischen Rektorin, Konrektorin, Mutter und Paul wurde zwar der Zwischenfall als solcher bedauert, schulseitig kam man jedoch nicht umhin zu bemerken, dass der Fall klar läge:
Der Junge habe das Vertrauen, welches die Schule in ihn gesetzt habe, durch sein Verhalten empfindlichst missbraucht.
Man könne schließlich nicht jeden einzelnen Schüler überwachen und sei zudem nicht in der Lage das Internet zugriffsmässig so sicher zu gestalten, dass solche Vorkommnisse künftig ausgeschlossen werden könnten. Die Begründung der Mutter für die Abmeldung der Kinder lautete, wer kann es verdenken, “das Vertrauen in diese Grundschule ist empfindlichst gestört!”
So weit, ganz schlecht.
Die Lehren, die Paul aus dieser Schulerfahrung zieht, können vielfältig sein. Im schlimmsten Fall lernt er, dass es Situationen sind, in denen Opfer noch bestraft werden. Im besten Fall behält er sich seine kindliche Neugierde auf das Leben. Schön wär’s.
Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung. Streng genommen handelt es sich bei dem schulseitigen Verhalten um eine grobe Verletzung der Erziehungspflicht. Vielleicht sogar um einen Verstoss gg. § 184, 1, 2 StGB. Doch: Wo kein Kläger, da kein Richter …
Danke an @drsarkozy
Tags: @drsarkozy, Forschen, Grundschule, nackte Frauen, Pädagogik, Vertrauen
1. Mitmach-Krimi 2.0
Das Verhalten der Schule ist für mich völlig unverständlich. Wenn Kindern die Möglichkeit gegeben wird ins Internet zu gehen, dann liegt es auf der Hand, dass sie ausprobieren wollen. Hier muss die Schule einen Schritt weiterdenken und entsprechende Software installieren. Die Verantwortung auf die Eltern schieben ist weder sachlich noch menschlich zu tolerieren.
Ich hatte kürzlich im Freundeskreis einen ähnlichen Fall, der sich allerdings im privaten Umfeld dieser Familie abgespielt hat. Die Jungs (9 und 11) waren mit Freunden am PC und sind via Google auf entsprechende Seiten gelangt. Ein mehr oder minder hilfloses Telefonat der Mutter an meine Adresse, was man denn nun tun könnte endete sehr schnell damit, das ich eine “Parental Control” Software kaufte und installierte. Leider, und für mich unverständlich, ist diese Software, trotz mehrmaliger Aufforderung meinerseits, bis heute nicht in Betrieb, da man ja keine Zeit hätte und die Jungs sowas wohl nicht noch mal machen würden. Ich bin immer noch stocksauer.
Also das Fehlverhalten der Schule sehe ich ganz klar. Es kann nicht sein das dort die gesetzlichen Pflichten unterlassen werden. Entweder die Schulrechner sind mit einer entsprechenden Software geschützt oder der Lehrer erfüllt seine Aufsichtspflicht. Die Kinder tragen auf keinen Fall die Verantwortung.
Schlimm ist aber auch die indirekt dargestellte fehlende Medienkompetenz der Lehrer. Mir kommt es so vor als ob sie es nicht besser wissen oder was noch schlimmer wäre es sie nicht interessiert.
Das Internet ist ein offenes Medium, das auch für Experten immer noch wieder neues bereithält. Es ist aber auch extrem, weil der Zugang und die Möglichkeit des veröffentlichens so einfach ist.
Hier sind alle gefordert sich mit dem Medium auseinander zu setzten. Regierung, die dafür sorgen das Gelder für Lehrerfortbildung und IT Struktur an Schulen bereitsteht. Lehrer die das Medium kennen müssen, egal ob frisch aus dem Studium oder schon seit Jahren im Beruf. Lehrer tragen heute Verantwortung für die Ihnen anvertrauten Kinder. Natürlich auch die Eltern, sie müssen Ihren Kindern einen sicheren Zugang zum Internet gewähren. Am besten natürlich nicht mit einer Software sondern mit der gemeinsamen Nutzung. Wenn Kinder alleine surfen muss der Zugang ganz klar beschränkt sein.
Hierzu gibt es auch Infos und Lehrermaterial unter: https://www.klicksafe.de/
Hmm. Diese ganze Software nutzt gar nix. Es wird immer etwas durchrutschen!
a) Warum verletzten die Leute ihre Aufsichtspflicht? Die Kinder werden ja auch nicht alleine in den Chemieraum oder die Turnhalle gelassen.
b) Was man tun kann? Die Kinder wenn sie alt genug sind vernünftig im Medienumgang schulen
c) Was haben Kinder alleine im Internet zu tun?
Du da in Berlin, Deine Meinung ist doch gar nicht so schlecht, dass man sie nicht mit ner Mailadresse belegen kann
“… wenn ein neunjähriger Junge [...] am PC allein gelassen wird …”
Passiert das in der Schule, hat die Lehrkraft ihre Aufsichtspflicht verletzt.
Passiert das zu Hause bekommt es niemand mit.
Generell: 9jährige (Kinder) haben nicht ohne Aufsicht im Internet zu surfen.
Dann können wir uns das ganze Jugendmedienschutzdebakel sparen.
m2c
Ich fasse es nicht! Aber ich wundere mich auch nicht, nicht wirklich. Als die(ehemalige)Grundschule meiner Söhne Internetzugang für das Computerkabinett bekam, erkundigte sich die Schulleiterin beim Schulamt, welche Schutzsoftware sie denn aufspielen solle, ob etwas empfohlen werde. Es stellte sich heraus, dass sie die erste war, die danach fragte, und sich noch niemand auch nur einen Gedanken darüber gemacht hatte. Sie recherchierte daraufhin selber und stellte das Ergebnis später den Kollegen und dem Schulamt zur Verfügung. Es hätte also an fast jeder Grundschule hier ebenso passieren können.
Die Reaktion der Schule allerdings ist nicht zu verstehen! Die Kinder sollen die Medienkompetenz doch erst lernen, das ist doch genau die Aufgabe, die die Schule wahrnehmen sollte.
Setzen, 6!
Ich würde mir ebenfalls Jemand Unwichtiges (hehe) Fragen stellen.
Letztes Jahr hatte ich das Glück ein paar Wochen in einer Grundschule arbeiten zu dürfen und stand direkt mit der Rektorin in Kontakt. Unter ihr wäre weder jemals ein Schüler unbeaufsichtigt gewesen, noch wäre er mit einem Internetfähigen Rechner ohne Aufsicht gelassen worden, noch hätte diese Rektorn einen solchen Vorfall derartig behandelt. Diese Frau ist aber auch fit was Internet, neue Medien und Technik angeht, weil sie sich aktiv damit befasst und immer wieder unterucht ob und wie sie im Untericht einsetzbar sind.
Das Problem liegt meiner Meinung nach klar in der Medienkompetenz. Nicht nur der Eltern, vor allem Lehrer/Erzieher sollten geschult sein, sie sind es die unsere Zukunft direkt mitgestalten. Was soll man aber in einem Land erwarten in dem die Regierung schon die Medieninkompetenz vorlebt?
@Jemand unwichtes:
So ein Stuss! Zum Beispiel sperrt DansGuardian mit aktivierten Standardfiltern sogar spiegel.de aufgrund von Gewaltdarstellungen. Und an einer Grundschule wäre es kein großer Aufwand alles zu sperren und reines Whitelisting zu betreiben.
Eventuell sollten der Leitung dieser Schule mal diese Seiten empfohlen werden:
http://www.schulen-ans-netz.de/
https://www.bsi-fuer-buerger.de/
http://www.slx.no/
http://k12ltsp.org/
…
Gruß
Marco
Danke für die Links!
@Marco Ziesing
Denk bitte noch mal drüber nach, dass du gerade das wegzensieren von einer Nachrichtenseite als starken Punkt eines Filters angepriesen hast. Medienkompetenz? Es geht auch nicht darum was alles tolles gefiltert wird, sondern was alles durchgelassen wird. Solange man kein Whitelisting betreibt, sperrt ein manuelles Listen nur die bekanntesten Seiten und ein automatisches Verfahren wird immer etwas durchlassen.
Beim Whitelisting funktioniert dann ganz schnell das “recherchiert mal etwas zu diesem Thema”-Prinzip heutiger Medienkompetenzvermittlung nicht mehr, weil außer der Wikipedia nichts mehr übrig bleibt zum recherchiern. Dann braucht man kein Internet mehr.
Filterprogramme können höchstens ein Fallback für den Notfall sein (und machen genausoviel Ärger wie sie helfen) und niemals die Aufsicht durch den Lehrer ersetzen. Und das ist das, was hier ganz eindeutig gefehlt hat.
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This post was mentioned on Twitter by drsarkozy: RT @MichaelJaegerTV: Nackte Frauen und der Missbrauch von Vertrauen: http://tinyurl.com/yb7jx5m EIn Gastbeitrag von @drsarkozy…
[...] This post was mentioned on Twitter by Thomas Stadler, Michael Jäger, Michael Jäger, Doerte, NGC6544 and others. NGC6544 said: RT @optimumtext: Was passiert, wenn Schulen nur mangelhafte Medienkompetenz besitzen: http://bit.ly/b54zc4 ( @MichaelJaegerTV @drsarkozy) [...]
“Es ist kein Geld da” ist eine Standardaussage, wenn es um IT geht.
Eine vernünftig konfigurierte Firewall mit Proxy und Contentfilter kostet keine Hundert Euro. Ein Student der eine solche Firewall aufsetzen kann lässt sich auch finden und kann nicht umgangen werden, wenn die Kids am PC keine Adminrechte haben.
So ist es bei mir daheim konfiguriert und meine Kids haben null Chance auf Inhalte zu gelangen, die nicht für sie bestimmt sind bzw. filesharing zu betreiben.
So lange die Schulen meinen, dass sie das nicht brauchen, wird immer wieder so etwas passieren, Parental Filter auf dem PC werden von den Kids immer wieder umgangen, solange sie in der Lage sind, den Taskmanager aufzurufen und den Parentalfilter einfach abzuschießen.
Da dürfen sich die Schulen nicht wundern, die Schuld liegt aber ganz eindeutig an den Schulen, denn sie MÜSSEN damit rechnen, dass die Kids die Verbote zu umgehen versuchen, das liegt an der angeborenen Neugier des Verbotenen, welche in jedem Menschen steckt.
Hier zeigt sich dass die Schulen in Bezug auf neue Medien absolut inkompetent sind und das traurige ist: Sie sind nicht gewillt, dieses zu ändern.
Herzliche Grüße,
Stefan
Also erstmal bekommt die Petze Klassenkloppe. Geht ja wohl gar nicht!
Mit 9 kann man durchaus auch mal Brüste sehen ohne gleich ohnmächtig zu werden. Wo leben wir denn?
Natürlich sollten Schulrechner gerade für Kinder in diesem Alter gewissen Filter besitzen.
Aber diese Parent-Control-Dingens kommen mir zuhause nicht drauf. Da ist es an den Eltern, ihre Kinder zu erziehen und ihnen beizubringen wie die Sache läuft. Man muss seinen Feind (die dunkle Seite des Internet) kennen um ihn besiegen zu können. Wenn Sohnemann dann absichtlich auf verbotenen Seiten surft, gibts TV-Verbot. Das zieht bei 90% aller Kinder bestens.
Ich finde das Verhalten der Jungs garnicht so schlimm, ich weiss noch wie meine Cousins damals meine Bravos ausm Schrank gemopst haben um diese Seiten …
zu schauen.
Schlimmer finde ich die Reaktion der Schule, erstens die Kinder überhaupt in dem Alter alleine an den Rechner zu lassen , wie sollen sie mit neun Jahren diese Weitsicht haben , was man alles finden könnte im netz.
Ich finde es auch okay das Medium Internet für die Schule zu nutzen, jedoch sollte eine Schule genauso wie auch die Eltern in der Pflicht sein , auf die Kids aufzupassen was sie tun und sie im Umgang mit diesem Medium zu schulen …
lg sandra
Für Kinder im Grundschulalter ist mMn ein Whitefilter die richtige Lösung. Die müssen nicht überall ran kommen und im Bedarfsfall kann der Filter auch angepasst werden. Der Filter sollte allerdings nicht auf den Rechnern, an denen gearbeitet wird, laufen, sondern auf einem zentralen Router mit Firewall etc. pp..
Das Problem dabei: Die Schulen sollen den Kindern vermitteln, wie sie mit dem Internet umzugehen haben, sie bekommen aber nicht die Mittel (Geld und Ausbildung) um das zu handeln.
Es gibt dann eben keinen[1] ausgebildeten Administrator, der die Netze von (von mir spekulativ genannten) 5 Schulen pflegt und es gibt keine ausreichend auf die Aufgabe der Vermittlung der nötigen Fähigkeiten vorbereiteten Lehrer. Dass die Schule die Verantwortung für den Vorfall auf die Kinder abwälzt, zeigt das nur allzu deutlich. Da hat offensichtlich noch niemand von der eigenen Aufsichtspflicht gehört.
[1] ‘keinen’ soll natürlich nicht heißen, dass es nicht Schulen und Lehrer gibt, die den Aufgaben gewachsen sind. Leider muss man das aber heute noch als Ausnahme von der Regel bezeichnen.