Michael Jäger

schreibt selten über Gott, aber viel über die Welt. Was er denkt und was er fühlt. Was er mag und was eben nicht

  • Slide Show

  • Zuletzt veröffentlicht

Warum schweigen denn alle…

15.06.09 (Gedanken, Kindesmissbrauch, Technikzeugs)

zum Thema Internet-Sperren?

Warum geht denn kein Aufschrei durchs Land, warum? Warum? Warum? Warum protestieren denn so verdammt wenige, nämlich “nur” knapp über 120.000 Menschen in der Online-Petition von Franziska Heine, gegen das leyenhafte Verhalten der Bundesregierung? Wobei ich diese Mitzeichner zu denen zähle, die verstanden haben um was es hier wirklich geht. Teils erst nach langen Diskussionen, aber sie haben es eingesehen, sonst hätten sie nicht ihren Namen unter diese Petition gesetzt.

Merken denn die meisten nicht mal, dass es hier um die Aushöhlung der Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland geht? Warum geht nicht ein Aufschrei durch den deutschen Blätterwald? Warum schweigt eigentlich fast die gesamte Print-Welt und schreit nicht laut auf? Sind sie doch auch betroffen, wenn die Zensurgesetze irgendwann, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, erweitert werden.

Warum schweigen eigentlich meine Kollegen? Die lieben Kollegen, die doch sonst auch jede Möglichkeit nutzen, ihr Gesicht für irgendeine dusselige PR-Aktion eines Schafzüchters zur Verfügung zu stellen. Warum schweigen denn alle diese freiheitsliebenden Künstler, die sonst immer laut aufschreien, wenn irgendwo auf der Welt ein Sack Reis umfällt?

Warum haben denn alle Angst, als Kinderschänder oder Pädokriminelle (ein Wort, dass es so bisher noch nicht gab) dazustehen, wenn sie für die Freiheit eintreten? Sollte die BILD-Zeitung so viel Macht in diesem Land haben, dass Politiker Angst haben, im Wahljahr medial geschlachtet zu werden? Haben die Politker Angst vor der Wahrheit und winken deswegen ein Gesetz durch, dass es nach leicht zu bewerkstelligenden Modifizierungen erlaubt, auch Meinungen zu zensieren?

Die Bundesregierung will die Freiheit des Einzelnen und damit die Freiheit der ganzen Gesellschaft beschneiden. Die selbe Bundesregierung, die Zensurmaßnahmen in anderen Staaten als nicht zumutbar hinstellt! Siehe China, Nordkorea, Jugoslawien, Russland, Myanmar oder aktuell im Iran, etc. etc..

Die Stopp-Schild-Affäre, wie ich es mittlerweile nenne, ist nichts anderes als populistische Augenwischerei. Ein Stoppschild heißt nämlich: An der Linie anhalten, und wenn keiner kommt, weiterfahren. Nichts anderes wird ja schon im realen Leben gemacht. Kurz stoppen, schauen, ob einer was sieht oder hört und schnell weiter.

Wieso z.B. befasst sich der Runde Tisch mit den Misshandlungen in Kinderheimen nur bis zum Jahr 1979. Das ist genauso eine Verhöhnung der Opfer und ein Schutz für die Täter wie jetzt aktuell die Stopp-Schild-Affäre.

Wenn am Donnerstag die Zensur in Deuschland eingeführt werden sollte, gibt es Ärger, das ist mal sicher. Die Volksparteien werden ihre Quittung erhalten für ihr undemokratisches Verhalten. Frau von der Leyen, ich wünsche Ihnen, dass sie über diese Stopp-Schuild-Affäre stolpern und zurückgepfiifen werden. Oder zurücktreten, oder am besten beides. Die PR für Ihre mediale Über-Frau Darstellung mussten wir als Steuerzahler schon bezahlen. Ihre undemokratischen Forderungen wollen wir nicht mit unserer Freiheit bezahlen.

Roman Herzog sagte einst: “Durch Deutschland muss ein Ruck gehen!”

Ich ergänze: …und von der Leyen muss von diesem Ruck gestoppt werden!

Löschen statt Sperren! Nichts mehr, aber auch nichts weniger!

21 Kommentare

  • 1
    stefan:

    Du fragst: Warum?
    Du gibst die Antwort: Aus Angst!

    Angst ist ein schlechter Ratgeber.
    Wer jetzt noch nicht “mit auf dem Bus” ist, den wird das Leben bestrafen.

    Ich freue mich, dass Du mitfährst.

  • 2
    Martin Hammerschmied:

    Es gibt deshalb keinen Aufschrei weil es kein Bewusstsein für die Konsequenzen gibt. Unsere Gesellschaft ist weit davon entfernt das Internet wirklich zu verstehen. Die Verbindung zwischen Internetsperren und Grundrecht ist zu abstrakt, als das die Masse sie sehen könnte.

  • 3
    Michael:

    Angst ist es nur bei den medial beachteten Menschen. Die meisten Bürger wissen ja nicht mal was von dem Thema, das ist viel erschreckender

  • 4
    Michael:

    Vielleicht sollte man den Bürger tatsächlich fürs Wählen belohnen (Ironie oder Alternative?)

  • 5
    Erik Roderwald:

    Hallo,

    warum keiner aufschreit, frage ich mich schon lange. Offenbar ist es nicht modern, die Freiheit und die Grundrechte im eigenen Land zu verteidigen.

    Liebe Grüße

    Erik

  • 6
    Alex Schestag:

    Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, daß die beiden Volksparteien die Quittung für die Sperren bekommen werden. Das Problem ist: Wir überschätzen unsere Größe und unsere Macht. Die Internet-Community, die “verstanden hat”, ist eine in sich relativ geschlossene Gruppe, die im Verhältnis zur gesamten Wählerschaft sehr klein ist. Die 120.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner machen grade mal knapp 2% der deutschen Wahlberechtigten aus – vorausgesetzt, alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sind wahlberechtigt. Das ist kein wahlentscheidender Anteil.

    Du stellst die Frage, warum kein Aufschrei durch’s Land geht. Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich einfach und umfaßt zwei Aspekte. Der erste Aspekt ist, daß den meisten das technische Hintergrundwissen fehlt. Sie können Sinn und Unsinn der Sperren auf der technischen Ebene nicht beurteilen. Wenn sie das nicht können, gehen sie erst mal davon aus, daß die Sperren sinnvoll sind, weil “Experten” das ja sagen und es in anderen Ländern ja auch gemacht wird. Also muß schon was dran sein. Der zweite Aspekt besteht darin, daß die meisten Menschen auf die emotionale Schiene “Es geht doch um Kinderpornographie!” reinfallen. Menschen neigen dazu, bei solchen Themen jede Maßnahme, und sei sie noch so sinnfrei, zu befürworten.

    Als Konsequenz ergibt sich m. E. daraus, daß es nötig wäre, durch Offline-Aktionen eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen.Online-Petitionen, Blogeinträge, Tweets und andere Online-Aktivitäten erreichen immer nur die, die größtenteils ohnehin schon wissen, worum es geht. Aber wenn man nicht zumindest einen gewissen Anteil der anderen 98% ebenfalls erreicht, wird das nicht reichen.

  • 7
    Michael:

    Die Diskussionen mit Freunden und Bekannten zeigen eine erschreckende Haltung zu “denen da oben”. Das Interesse am neuen iPhone, der Abrwackprämie und all den anderen schönen Dingen, über die man nicht nachdenken muss, weil man sie einfach kaufen kann, ist größer. Chefredakteurer müssten doch schreien, weil sie wissen müssten, dass dieses Gesetz sie auch treffen kann.

  • 8
    Michael:

    Offline-Aktionen? In Ordnung, ich bin dabei, und ich weiß, wie man Zuschauer anspricht. Lass uns loslegen!

  • 9
    Alex Schestag:

    @Michael m. E. geht das am besten, indem jeder in seinem privaten Umfeld Menschen anspricht, die nicht internet-affin sind. Wenn jeder der 120.000 nur 20 Menschen anspricht, sind das schon 2,4 Millionen. Wenn diese 2,4 Millionen dann auch wieder mit ihrem Umfeld darüber reden, kann es einen viralen Effekt geben.

    Ich habe mich übrigens oben noch um eine Zehnerpotenz verrechnet. 120.000 Leute sind nur 0,2% der Wahlberechtigten, also noch unbedeutender.

  • 10
    Michael:

    Was meinst Du, was ich in den letzten Wochen gemacht habe. Ich führe Gespräche, dass ich mich selbst schon nimmer hören kann. Überall stösst man auf Unverständnis, weil die leyenhafte PR-Maschine so reibungslos schnurrt. Der viral Effekt, von dem Du sprichst, dauert leider fast zu lang. Ich hoffe, dass ein paar Chefredakteure endlich aufstehen und die Sache in die Hand nehmen.

  • 11
    Reinard Schmitz:

    Nein, es ist nicht Angst, es ist eher Interesselosigkeit, wie gegenüber allem, was nicht dem Täglichen, dem eher Banalen gilt. Angst käme erst ins Spiel, wenn man beginnen würde, sich mit dem Thema und seiner Position in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. So ist die »Sperren-Frage« in der breiten öffentlichen Wahrnehmung etwas für Freaks, Internetleuten und Internet ist für die Mehrheit nicht das Thema, das sie bewegt. Wie Politik überhaupt.

    Wogegen angegangen werden muss (wohl ehrlicher: müsste), ist der haltlose Durchhänger in der Bevölkerung, zu nichts mehr »Lust zu haben«. Das ist aber leider nicht mehr die Sache unserer ehemals »4. Gewalt«. Die ist kastriert, dort bekommt ein engagierter Journalist kein Schreibrecht auf der 1. Seite; Presse bzw. Medien allgemein haben endgültig und eindeutig andere Aufgaben, als die Masse schlau zu machen und ggf. aufmüpfig zu stimmen.

    So lange unsere Mitbewohner nicht begreifen können, dass man der Wahrheit nur näher kommt, wenn man hinterfragt, wird es immer schwerer, denn was ihnen leicht gemacht wird, das nehmen sie an. Und »leicht« ist eben meist doch das Synonym für »unwichtig«…

  • 12
    Michael:

    Dem kann ich nur hinzufügen, dass es umso wichtiger ist, die Redakteuer anzuschreiben, anzusprechen, anzurufen, damit sie merken, die Stimmung ist anders, als sie gerne im Glaskasten der Redaktionen dargestellt wird

  • 13
    Jens:

    Den Grund, dass kein Aufschrei durch die “klassische” Presse geht, sehe ich zum Teil auch darin, dass einige Verlage an einer Zensurinfrastruktur Interesse haben. Schutz der Rechteinhaberblabla…

  • 14
    Michael:

    Schutz der Rechte ist ein ganz anderes Thema. Die bisherigen Gesetze dazu reichen in ihrer Form absolut aus. Sollten das die Redakteure allerdings auch nicht verstehen, wäre das fatal. Allerdings will ich hier kein neues Fass aufmachen. Es geht darum, den Aufbau einer Zensur-Infrastruktur mit allen Mitteln der Demokratie zu stoppen. Und das ist schon Aufgabe genug. Wenn man sich in Diskussionen verzettelt, handelt irgendwann jemand über die Küpfe hinweg und unsere Freiheit geht flöten.

  • 15
    jetho:

    Und nicht zu vergessen, dass von den 127ooo einige wirklich ältere Leute (z.B. meine Eltern) mitgezeichnet haben, die jetzt denken sie hätten “alles gegeben” und von dem Bus wieder runterwollen. Wieviele “wirklich” dafür gradestehen ist nicht richtig einschätzbar!

  • 16
    links for 2009-06-15 « Moment mal – wait a minute …:

    [...] Warum schweigen denn alle… | Michael Jäger Warum kein Aufschrei durch die deutschen Medien ….. ist man in Deutschland denn schon wieder so weit sich mißbrauchen zu lassen …. (tags: Deutschalnd Politikverdrossenheit Missbrauch Merkel Bürgerüberwachung Unfreiheit Unrechtsstaat) [...]

  • 17
    Stefan Seeger:

    Hi Micha,

    nimm Jugoslawien da raus…. Wenn ich das früher gesehen hätte.. Urgs.. alles keine Unrechtsstaaten… Kosovo, Sebien, Kroatien, Bosnien kannst Du nicht mehr über einen Kamm scheren – geht net.. ungut…

    Gruß,
    Stefan

  • 18
    “Zensursula”-Debatte: Internetnutzer wehren sich gegen Freiheitsbeschnitt:

    [...] auch auf unliebsame politische Meinungen? Und wo das dann hinführen kann, wissen wir noch zu gut. Warum schweigen denn alle, fragt da zu Recht der Schauspieler Michael Jäger in seinem [...]

  • 19
    Siegfried Schlosser:

    na, die neue Umfrage, die Zensursula gekauft hat, sagt ja alles: die “Internet-Fans” sind eine verschwindend kleine Minderheit. Und “Internet-Fan” ist jeder, der “das Internet” mindestens einmal am Tag nutzt…

  • 20
    Michael:

    Die neue Umfrag ist 7 Tage alt und wurde erst jetzt lanciert, in den letzten Tagen sind mehr Informationen in den Print gegangen und so wäre die Umfrag auch anders ausgefallen. Ausserdem sind die Fragen manipulativ gestellt und somit ist die Umfrage reine Propaganda

  • 21
    Ich empfehle… (zuletzt um 18.45 Uhr, Montag, aktualisiert) « Muschelschubserin:

    [...] gleiche wie ich mich seit Wochen frage und was mich von Tag zu Tag verständnisloser werden lässt: Warum schweigen denn alle? Außerdem hat er auf der Demo “Löschen statt Sperren” die Tage eine bewegende Rede [...]

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>