sagt die Dame zu dem Umherstehenden und unterstreicht ihre Worte mit einem ernsten Gesichtsausdruck.

Es ist Donnerstag, morgens um 8.45 Uhr irgendwo im Niemandsland zwischen Baden-Baden und Karlsruhe. Die Damen und Herren, denen die Worte gelten, nicken. Sie hören oft solche Worte. Die meisten von ihnen verdienen sich mit solchen Jobs ein Zubrot. Manche haben diese Art des Arbeitens auch zu ihrem Hauptberuf gemacht.

Sie sind Komparsen beim Fernsehen. Und sie sind wichtig. Sie geben der Szene Bewegung. Ohne Komparsen keine volle Disko im Film, keine Strassenkreuzung zur Hauptverkehrszeit. Sie haben den einzigen Job, die Szene zu bevölkern. Sie laufen hin und her, ohne die Hauptdarsteller zu verdecken. Höchstens mal ein Wischer an der Kamera vorbei. Aber immer leise, immer müssen sie nur so tun, als ob sie reden oder lachen, oder was man ihnen sonst für eine kleine Rolle zugedacht hat. Und weder am Anfang noch am Ende des Films werden ihre Namen genannt. Die Regie-Assistentin spricht sie mit ihrem Sammel-Namen an: “Komparsen”. Sie sind Namenlose. No-Names. Unbekannt und doch genauso ein wichtiges Rädchen im System wie der Produzent oder der Hauptdarsteller.

Heute stehen sie um die Regie-Assistentin und tragen Uniformen und Schutzanzüge. Sie sind Polizisten, Spurensicherer und Gaffer. Sie bekommen genaue Positionen und müssen auf Stichworte und Winken reagieren. Dinge von rechts nach links tragen, so tun, als ob sie etwas suchen. Sie müssen genauso viel leisten wie jeder andere. Auf “Bitte” gehen, auf “Stop” stehen, einfrieren in ihren Bewegungen, weil es sein kann, dass der Regisseur nur einen Satz vorher wieder ansetzen möchte. Sie laufen, sie springen, sie telefonieren, sie diskutieren, alles lautlos. Aber sie stören nicht. Sie gehören einfach dazu. Wir sind hier beim Tatort. Ein Verbrechen ist geschehen. Da macht man das so.

Ich habe auch so einen Anzug aus Papier an wie einige der Komparsen. Der einzige Unterschied: Wenn man von mir etwas will, nennt man mich beim Namen. Die Komparsen werden einfach nur “Komparsen” genannt. Auch ein Name irgendwie, ein Sammel-Name sozusagen. Aber am Schluss der Szene bedankt sich die Regie-Assistentin beim Team für die Szene. Und die mit dem Sammel-Namen bekommen ein Extra-Danke. Sie haben ganze Arbeit geleistet und die Worte der Rege-Assistentin ernstgenommen. Wir sind hier beim Tatort.

Mit hat der Dreh gefallen und ich freu mich auf den nächsten Einsatz als Kommissar Mauss. Und ich werds machen wie immer, wenn ich drehe. Morgens jeden mit Handschlag begrüssen und mich abends von jedem mit Handschlag verabschieden, auch von den namenlosen Komparsen. und wenn ich öfter da bin, werd ich mir ihre Namen auch merken. Ist das ein Argument für eine Festanstellung beim Tatort? ;-)

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6 Comments to “Wir sind hier beim Tatort …”

  1. frauellen0812 sagt:

    für mich auf jeden fall das beste argument!

    michael for kommissar!!

    bist und bleibst der beste… ;-)

    greets, ellen :-)

  2. BSEplus sagt:

    Ein nachdenkenswerter Beitrag!

    Natürlich hat auch die Situation der Komparsen beim Dreh und der Umgang mit ihnen zwei Seiten. Es wirkt schon etwas oberflächlich, wenn sie mit einem Sammelnamen angesprochen werden. Andererseits ist es – zumindest bei komplexen Szenen – kaum möglich, auf jeden Einzelnen gesondert einzugehen. Das kann wahrscheinlich nur Quentin T. ;-)
    Wichtig ist, dass sie mit dem nötigen Respekt behandelt werden, denn sie sind eben keine STATISTEN – sondern KOMPARSEN!

  3. Jörn sagt:

    Endlich mal jemand, der Komparsen ernst nimmt. Ich hab das biher nur einmal gemacht und fühlte mich da eher wie ein Möbelstück. Noch dazu ein ungeliebtes, dass das Team von Studioboss geschenktbekommen hatte und jetzt immer mitschleppen muss. Schön war anders.

  4. Björn Mangold sagt:

    So muss es sein Michael , so sollte es überall in jedem Beruf sein ,leidergottes ist das immer seltener der Fall. Sehr Menschlich Michael DAnke

  5. Tom sagt:

    Keine Ahnung, obs für die Festanstellung wichtig ist, aber auf alle Fälle ist es gut für das “Betriebsklima” oder wie ihr Leute vom Film das nennt. Wie BSEplus schon sagte, Respekt ist wichtig.

  6. richie sagt:

    Der Komissar in Dir! Du bist einer, der auch mal “dahinter” oder “darunter” schaut (Ermittler halt)! Verlier das bloß nicht! :-)
    lg und bis bald! lg Richie

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