… und stehen trotzdem demnächst wieder nackt da.

Vorbei die schöne Zeit, als alles im Überfluss da war und wir nur mit dem, wie Gott uns schuf, am Milch-und Honigbach rumlungerten. Adam und Eva hatten es gut. Nackend lebten sie im Paradies und waren sich keiner Schuld bewusst. Auch ich bin mir keiner Schuld bewusst

Ich bin aber auch keiner von denen, die wieder ins Paradies wollen. Weder in das Paradies von Adam und Eva, noch in das Paradies, das mich erwartet, wenn ich mit ner Ladung Sprengstoff am Körper Flugzeuge in der Luft auf den Boden jage. Nur, um dann festzustellen, dass die Geschichte mit den 72 Jungfrauen doch nicht stimmt.

Aber ich möchte gerne ab und an mal fliegen. Mal nach Malle, weil da die Mandelblüte ist, mal nach Sardinien, weil da die weissesten Strände Europas liegen, vielleicht auch mal nach Schweden, weils da so schön ist im Sommer und meine Kinder schwedische Wurzeln haben. Oder eben nach Amerika, weil da meine leibliche Mutter lebt.

Das mit Amerika überleg ich mir eh schon länger, ob ich da überhaupt noch hin will. Aber irgendwie stell ich die ganze Fliegerei grade in Frage. Nicht weil sie gefährlich ist. Nicht, weil sie so teuer ist (ist sie ja gar nicht mehr, eigentlich).

Sondern wegen der Diskussion um die Nacktscanner. Mir wildfremde Menschen sitzen am Flughafen vor einem Bildschirm und schauen sich meinen Körper an, Sehen die Wampe unter meinem mit Mühe drapierten Hemd, vielleicht auch die Hängetitten der Lady aus Wanne-Eickel, vielleicht aber auch das Piercing an einer sehr intimen Stelle. Nein, ich hab kein Intim-Piercing, aber ich könnte, wenn ich wollte, jedenfalls bis jetzt. Denn, wenn der Nacktscanner kommt, könnte es doch sein, dass er z.B. den Imtimschmuck eines Passagiers oder einer Passagierin als verdächtig einstuft. Der Scanner wohlgemerkt, nicht der Bediener des Geräts. Weil wir aber so technikhörig sind, muss der Bediener dann seinem Kollegen dezent einen Hinweis geben, dass der/die gerade Gescannte wohl was an sich hat, was nicht “normal” für einen Flugreisenden ist.

Das wird dann mit diesem verschwörerischen Kopfnicken geschehen, das bestimmt keiner mitbekommt. ;-) Und dann wird er in der Sicherheitsleuten eines beliebigen Flughafens eigenen diskreten Art aufgefordert:

“Sind sie Intim-Schmuck-Träger? Kommen Sie mal bitte hier hinter diesen Vorhang und zeigen, was sie an den Brüsten oder in ihrem Intimbereich tragen.”

Und die Schlange der ewig gestressten, weil zu einem grossen Anteil eh schon ängstlichen Passagiere wird murmeln, manche werden Witze machen, manche werden ungeduldig, weil “wegen dem Perversen da vorne” mal wieder nix weitergeht.

Privatsphäre gibts ja nur noch in den eigenen vier Wänden. Wenns nach den Unionsspähern geht, aber da am liebsten auch nicht mehr. Intimsphäre war gestern. Abtasten auf Flughäfen find ich eh schon eklig, diskret wurde das noch nie gehandhabt, schön vor allen die Arme hoch, die Beine breit und dann ran an den Speck. Und jetzt der Nacktscanner. Ob der Bosbach sein Bild in der BILD zur Verfügung stellt, damit man mal sieht, wie diskret und menschenwürdig das aussieht, wenn man so durchleuchtet wird? Wer nix zu verbergen hat, hat ja nichts zu befürchten, oder? Machen Sie mal vor, Herr Bosbach, und die anderen, der Herr Uhl und der Chef der Polizeigewerkschaft, auch bitte. Alle die, die am Flughafen und sonstigen sicherheitsrelevanten Bereichen durch den Sondereingang gehen, einfach mal vormachen. Nacktbilder von allen! Wenn schon, denn schon! ;-)

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4 Comments to “Wir sind hier nicht im Paradies…”

  1. sandra sagt:

    ich finds echt schwierig , denn ich würd schon gern so sicher wie möglich fliegen wenn ich mal wieder fliegen wollte :( ist die Frage was schlimmer ist, nackend gesehen zu werden oder ne bombe an board!? :D

  2. [...] This post was mentioned on Twitter by Michael Jäger, HG. HG said: RT @MichaelJaegerTV Nacktbilder von allen? Wir sind hier nicht im Paradies: http://tinyurl.com/yb6bm7x #nacktscanner << witzig-aufrüttelnd [...]

  3. Alex sagt:

    Liebe Sandra,

    nur aufgrund einem falsch verstandenen Sicherheitsgedanken (<- dank unserer lieben Bundesregierung wird ja mal wieder Angst vor allem möglichen geschürt) darf die Freiheit des Bürgers nicht verloren gehen.
    Die Würde des Menschen ist ein Grundrecht.
    Den von Dir angesprochenen "sicheren Flug" gibt es eh nicht. Schließlich kann man auch niemanden davon abhalten die Maschine in der Du sitzt einfach mit einem Raketenwerfer (den man in Osteuropa recht einfach bekommt) direkt hinter der Start- oder Landebahn abzuschießen.
    Angst schüren um Sicherheits-Vorkehrungen zu bekommen sollte nicht geduldet werden.
    Ich will Dich auch nicht kritisieren, dass Du Angst hast ist natürlich völlig legitim.
    Jedoch sollte man immer ein wachsames Auge darauf haben was einem da als "Sicherheit" verkauft wird und ob es nicht einfach nur Kontrolle ist die das eigentliche Ziel ist.

    @Michael
    danke für den Blogeintrag.
    Wieder mal kurz und anschaulich dargestellt wo das eigentliche Problem liegt.
    Leider wird das nur in der Union wieder niemanden kümmern das die Personen die etwas zu sagen haben, eh völlig den Kontakt zum eigentlichen Souverän – dem Volk – verloren haben.

  4. Pauladieerste sagt:

    Ich bin vor ein paar Minuten über ziemlich eindrucksvolle Bilder “gestolpert”, in denen die Scanner mal richtig “vorgeführt” wurden. Soll heißen: Nicht mit einem Standbild, sondern mit einem Clip, in dem man doch ganz gut erkennen konnte, wie ausgereift die Zoomfunktion ist. Auch die Bilder, die von Personen in Bewegung gezeigt wurden, waren äußerst “interessant”.
    Das hat -meiner Meinung nach- doch wenig mit Sicherheit zu tun.

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